HANNOVER, Monday December 6th, 2010
Alexander Budde

Beredtes Schweigen

Als kritischer Untertan frage ich mich gelegentlich, ob die schwedische Königsfamilie gut beraten ist. Das legendäre Pressegespräch des Königs im Wald von Trollhättan war zwar erfrischend ehrlich aber sicher kein Musterbeispiel für gelungene Krisenprävention. Auch seine leidensfähige Gattin Silvia gab keine Figur ab, als sie wenige Wochen vor der Hochzeit ihrer ältesten Tochter Victoria ein Team des Stockholmer Senders TV 4 zur Audienz empfing. Die Frage nach der NSDAP-Mitgliedschaft ihres verstorbenen Vaters Walther Sommerlath kam sicher nicht unerwartet. Gleichwohl druckste die 1943 in Heidelberg geborene Silvia herum. Ihr Vater sei der brasilianischen Auslandsorganisation der NSDAP in einem Überlauf der Gefühle beigetreten, aus Freude über die „Wiedergeburt des Vaterlandes“, das sich damals „aus der Asche erhob“.

Ein erster Proteststurm nach der Ausstrahlung im Mai ging alsbald im Taumel der Traumhochzeit unter. Doch Mats Deland ließ nicht locker. Im brasilianischen Domizil der Familie Sommerlath forschten der Historiker und seine Kollegen vom Politmagazin “Kalla fakta” den strammen Nazi-Kumpanen des Patriarchen nach. In Berliner Archiven stieß er auf die brisanteste Spur. Sie führt zum jüdischen Fabrikanten Efim Wechsler, der 1939 seinen lukrativen Betrieb für einen Spottpreis an Walther Sommerlath verkauft haben soll. Der Vater der Königin – ein Profiteur der „Arisierung“. 

Im zweiten Teil der Dokumentation, der am Sonntag ausgestrahlt wurde,  spürten die Autoren der Verwandtschaft Wechslers in Israel nach. Die Zwangslage ihres Onkels Efim habe sie sich nie richtig klar gemacht, sagte Daniella Wexler nun dem Boulevardblatt Expressen. Ihre Mutter habe stets von einem Tauschgeschäft gesprochen. Die Mutter sei der Königin sogar einmal auf einem Empfang begegnet, erinnert sich die pensionierte Richterin. Die Frauen hätten sich sehr nett unterhalten. Auch Wexler urteilt milde über die nunmehr schweigende Silvia: „Sie ist von diesen Enthüllungen vermutlich genauso überrascht wie ich.“

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