MANILA, Monday December 10th, 2012
Hilja Müller

Danke Manny!

Gestern war ein fantastischer Tag zum Geschenke kaufen. In kurzer Zeit hatte ich eine Liste abgearbeitet, die mich sonst im höllischen Weihnachtsirrsinn Manilas locker zwei Tage gekostet hätte. Aber gestern hätte man auf den sonst  notorisch verstopften Straßen Autorennen veranstalten können. In den Geschäften bewegten sich nur die automatischen Santa-Claus-Figuren, und die sonst so hartnäckigen Verkäufer, die einem immer auf Schritt und Tritt folgen, glänzten durch Abwesenheit. Einfach großartig. Da kann ich nur sagen: „Danke, Manny Pacquiao!“  Denn wegen des Mannes aus Mindanao, der sich von ganz unten zu Ruhm und Reichtum durchgeschlagen hat, waren philippinische Städte gestern komplett leergefegt. Ungefähr so, als ob Deutschland im Finale einer Fußball-WM gegen Holland spielen würde. Fußball ist den Filipinos nicht so wichtig, aber Boxen ist es. Wegen Manny ist das so.  Die klein gewachsene Kampfmaschine ist seit Jahren das größte Sportidol des Landes. Als Boxer hat er in mehreren Gewichtsklassen Weltmeistertitel eingeheimst und gestern wollte er in Las Vegas noch mal so richtig zuschlagen.  Seit Wochen wurden in Manila Tickets gehandelt für Kinos, die den Kampf live übertrugen. Restaurants und Sportbars mit Pay-TV machten Reibach. Politiker, die im nächsten Jahr gewählt werden wollen, luden zum Public Viewing.

Wenn Manny boxt, hockt die Nation vor der Glotze. Offenbar auch Diebe und Dealer, denn die Kriminalstatistik ist an diesen Tagen so niedrig wie sonst nie. Leider ging die Sache gestern schief für Manny – in der letzten Sekunde der 6. Runde knallte ihm sein mexikanischer Gegner dermaßen eine aufs Kinn, dass das philippinische Boxidol erstmals in seiner Karriere K.O. zu Boden ging. Die Reaktionen hierzulande? Ach, schweigen wir. Eben so wie es Deutschland wäre, wenn unsere Fußballjungs das WM-Finale gegen Holland verlieren würde. Nur ich war vermutlich happy gestern wegen meines erfolgreichen Weihnachts-Beutezuges.  Aber das traue ich mich nicht, irgendjemand hier zu erzählen.

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