PRAG, Tuesday November 17th, 2009
Kilian Kirchgeßner

Ein Mann, ein Feiertag

Dieser Tage mit Václav Havel zu sprechen, käme einem Lotto-Volltreffer gleich. Heute ist in Tschechien Nationalfeiertag, „Tag des Kampfes für Freiheit und Demokratie“ heißt er und ist die tschechische Form der Erinnerung an den Fall des Kommunismus.

Eigentlich aber ist der Name etwas irreführend: Václav-Havel-Tag könnte er genauso heißen, denn in Tschechien verteilen sich die Verdienste um die historischen Sternstunden des Jahres 1989 nicht auf mehrere Schultern wie in Deutschland; hier ist Havel und nur Havel das Gesicht der Wende.

Der einstige Dissident und spätere Präsident, inzwischen 73 Jahre alt und gesundheitlich angeschlagen, ist rund um den Gedenktag allgegenwärtig. Die Zeitungen widmen ihm Sonderseiten, das Fernsehen zeigt Dokumentationen und vielen Tschechen stehen die Tränen in den Augen, wenn sie die berühmten Worte Havels hören, die es vor 20 Jahren zum Motto des Aufbruchs gebracht haben: „Wahrheit und Liebe müssen siegen über Lüge und Hass“.

Schon seit Monaten türmen sich im Büro von Václav Havel die Interviewanfragen aus aller Welt. Selbst aus Asien und Südamerika haben Journalisten ihr Begehr angemeldet. Havel entsprach keinem einzigen – und lud stattdessen alle Fragesteller gebündelt zu einer großen Pressekonferenz ein. Dazu hat er ein ganzes Theater gemietet; natürlich das, in dem er als Dramatiker mit seinen frühen Werken den Durchbruch geschafft hat. So groß war der Ansturm, dass die Plätze nicht ausreichten.

Ihren Höhepunkt erreichte die Havel-Show aber schon kurz vor dem eigentlichen Feiertag: Da lud er zu einem Konzert ein, das zu einer großen Feier von Havel und seinen Freunden wurde: Lou Reed war da, Suzanne Vega, Joan Baez und Opernsängerin Renée Fleming. Und alle huldigten Václav Havel: „Der Beweis, dass friedliche Revolutionen existieren“, sagte Joan Baez und zeigte auf Havel, „sitzt hier vor uns.“

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