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Stricken für Container

 

Die Bilder der aufs Riff gelaufenen und halb geborstenen ‚Rena‘ haben nicht gerade dazu beigetragen, dass man Frachtcontainer ins Herz schließt. Dabei sind sie so praktisch, diese Stahlboxen, wenn sie nicht gerade im Meer treiben: In der Ödnis nach dem Erdbeben entstehen daraus jetzt bunte Einkaufszentren und Open-Air-Bars auf Abrissflächen. Und die Hügel in Christchurchs Vorort Sumner werden durch die Stahlwände vorm Abrutschen bewahrt. Da kann man doch mal zur Nadel greifen und zum ‚Knit In‘ gehen. Irgendwas muss man ja tun, damit unsere Stadt schöner wird.

Der historische Hintergrund: Als die Engländer im zweiten Weltkrieg „the Blitz“ trotzten, hieß der Leitspruch nach Bombenangriffen „Keep calm & carry on“ (ruhig bleiben und weiter machen). Die von einer eingewanderten Deutschen ins Leben gerufene Aktionsgruppe ‚Container Love‘ hat das Motto adaptiert: „Keep calm & cast on“ – ruhig bleiben und Maschen aufnehmen.

So ein ‚Knit In‘ ist ein ‚Sit In‘ von Guerilla-Strickerinnen, die sich dem ‚yarn bombing‘ verschrieben haben: Brücken, Kriegsdenkmäler, Bänke werden in liebevoller Handarbeit umhäkelt und umgarnt. Eine feine Sache. Die Garn-Bomberinnen Christchurchs fanden sich am Samstag am Strand auf Decken zusammen, knabberten Chips und bewiesen flinke Finger: Aus Hunderten von Wollquadraten soll ein Patchwork-Pelz für einen der Container entstehen. So was wie ein gigantischer Kaffeekannenwärmer oder Klorollenüberzug – absolut einmalig. Auf der ganzen Welt klappern dafür bereits die Nadeln. Und wir Damen in Sumner stellten fasziniert fest, wie unterschiedlich doch die nationalen Stricktechniken sind: Die Deutschen sehr effektiv, die Engländer etwas umständlich mit ihrer Methode. Und die Holländerin klemmt sich eine Nadel als Spieß unter die Achsel.

Falls es dank des internationalen Echos Abertausende von Quadraten werden, droht Christchurch hoffentlich nicht das gleiche Schicksal wie dem armen Tauranga. Ich meine nicht die Ölpest dort an der Küste, nachdem der Frachter auf Grund lief. Als etliche Pinguine zu verenden drohten, lief im Internet die Hilfskampagne an, für die Vögel doch bitte kleine Pullis zu stricken. Ein Muster wurde mitgeliefert. Denn sowas gab es schon mal im Jahr 2000, als bei Phillip Island in Australien Öl die Küste verpestete. Statt der benötigten 100 Stück wurden es dank virale Verbreitung damals jedoch 15.000, die jetzt im Souvenirladen vertickt werden.

Der Laden im neuseeländischen Napier, der im Oktober die Rettungsaktion startete, wird wohl auf ebenso vielen Pinguinwärmern sitzen bleiben. Denn leider hatte keiner der Gutstricker sich mit den Naturschützern in Tauranga abgesprochen. Kein einziges Tier wurde dort bisher in Strick gepackt – die Vögel werden lieber durch warmes Wasser und unter Heizlampen am Leben erhalten. Was natürlich nicht so putzig aussieht.

Zum Glück haben wir in Christchurch unendlich viele Container. Daher: Ruhig bleiben und keine fallen lassen.

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