MüNCHEN, Dienstag, der 26. Mai 2015
Martin Zöller

Rot-Blau-Doppelherz. Ein Beitrag zur lokalen Völkerverständigung. In München.

Rot-Blau-DoppelherzWas den Namen angeht, bin ich flexibel, da lasse ich mit mir reden. Auch den Job des Vereinsvorsitzenden brauche ich nicht. Wichtig sind erstmal, dass ich, sagen wir mal, 24 andere Menschen finde, für mein neuestes Herzensanliegen, Arbeitstitel „Rot-blau-Doppelherz e.V.“: Ein Fanclub, der zusammenführt, was vielleicht nicht zwingend zusammengehört, aber was man beides mögen kann: Die Bayern. Und die Löwen.

Denn zumindest ich kann das nicht mitansehen: Die Bayern feiern am Wochenende auf dem Rathausbalkon die Unisex-Meisterschaft und die Löwen sollen in die Dritte Liga absteigen? Müsste ich eine Radioansprache halten, würde ich nach einem bedeutungsschweren Räuspern sagen: „Münchner! Ihr könnt Euch entzweien, ob ihr links oder rechts der Isar wohnt, ob ihr Weißbier oder Spritz trinkt, ob ihr die Brezn hell oder dunkel mögt. Aber Münchner: Steht zusammen für den Münchner Fußball! Einmal Bayer, immer Löwe!“

Klar, ich weiß jetzt, was kommt. Der Vorwurf der Beliebigkeit. „Keine Werte mehr!“ „Es gibt nur rot oder blau“, wird man sagen.  Hier müssen meine lieben Vereinsmitglieder dann mutig etwas entgegnen wie: „Bis jemand sich traute, Limo und Bier zu mischen, gab es auch kein Radler“. Oder: „Die Weißwurscht besteht auch aus mehr als einer Zutat.“ (Vielleicht geht das zu weit: Alles, wie bei der Weißwurscht, muss vielleicht auch nicht rein.)

Was ich für mich und meine lieben Vereinsmitglieder sagen kann: Wir geben immer alles – für beide. Als Kind war ich im Olympiastadion mit den Bayern, dann irgendwann mit meinem ältesten Freund im Grünwalder. Ein Samstag hier, ein Samstag dort. Es gibt soviele Vereine außerhalb Münchens, die wir blöd finden können, warum sollten wir dann gegen 50% meiner eigenen Stadt sein?  Wir werden beide schönen Lieder schmettern: „57-58-59-60“ und eben auch den „Stern des Südens“.

 Und die Kinder? Kinder müssen doch irgendwo dazugehören, brauchen klare Vorbilder. Hier sehe ich kein Problem: Jens Jeremies wird Ehrenmitglied unserer Kinder-Sektion, die „rot-blauen Bazis“. Schließlich haute sich Jeremies in seiner Karriere für Bayern und Sechzig rein. Wenn es wirklich „König Fußball“ gibt, dann sind wir die Königstreuen.  Das kleinkarierte „rot oder blau“, das schert uns nicht.

 

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