GENF, Donnerstag, der 19. März 2015
Marc Engelhardt

Wo sind die versprochenen Millionenhilfen?

Als Weltreporter berichte ich aus Genf von dem, was bei den Vereinten Nationen und mehr als 200 anderen internationalen Organisationen passiert. Und in den letzten Jahren habe ich immer wieder das gleiche beobachtet: Bei medial inszenierten Geberkonferenzen versprechen Regierungen und Unternehmen Millionen für Hilfsbedürftige – doch später zahlen nicht alle. Wenn diese Hilfsversprechen gebrochen werden, gehen Bürgerkriegsflüchtlinge, Erdbebenopfer oder Ebolakranke leer aus. Das kostet Menschenleben, doch niemand fragt nach. Mit meiner Recherche möchte ich das ändern. Ich will herausfinden: wer verspricht Hilfe und wirbt mit seiner Großzügigkeit, zahlt aber nicht oder zu spät?

Dazu brauche ich Ihre Hilfe, denn zum ersten Mal versuche ich, eine so aufwändige Recherche mit Crowdfunding zusammenzubekommen: mit Hilfe des gemeinnützigen Büros für investigative Recherche, Correct!v.  Wenn alle, die das Thema wichtig genug finden, zusammenlegen, werde ich eine Geberkonferenz ganz im Detail untersuchen. Hier finden Sie alle Infos dazu!

The World We Created Together

Wenn irgendwo auf der Welt eine Krise ausbricht, reicht es nicht mehr, dass UN und Hilfsorganisationen einfach zu Spenden aufrufen. „Wir brauchen immer höhere Summen“, sagt mir ein UN-Sprecher in Genf. „Um die zu bekommen, müssen wir etwas Besonderes leisten.“ Geberkonferenzen werden ausgerichtet, deren Choreographie an Oscar-Verleihungen erinnert. Ende Januar in Berlin erst stand Bundeskanzlerin Merkel im Scheinwerferlicht, als sie bei einer solchen Spendengala 600 Millionen Euro für ein globales Impfprogramm zusagte. Ähnliche Gipfel gab es für den Kampf gegen Ebola, die Flüchtlingshilfe in Syrien oder Nothilfe nach dem schweren Erdbeben in Haiti.

Doch wenn die Scheinwerfer ausgeschaltet sind, interessiert sich kaum noch jemand dafür, ob das versprochene Geld wirklich fließt. Oft bleibt es bei Versprechungen. So waren zwei Monate nach einer Geberkonferenz im vergangenen Oktober, bei der 5,4 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau des zerbombten Gaza versprochen wurden, erst zwei Prozent geflossen. Die Bewohner mussten den Winter frierend in den Trümmern verbringen. Und Gaza ist nur ein Beispiel von vielen.

Säumige Zahler sind zum einen Regierungen, die Steuergelder einbehalten, obwohl sie sich bereits für ihre Wohltätigkeit haben feiern lassen. Das ist ärgerlich genug. Doch immer häufiger spenden auch Großkonzerne für den guten Zweck, ebenso wie reiche Einzelpersonen. Mit ihren Versprechungen geben sie sich ein Image der Hilfsbereitschaft. Aber tun sie wirklich Gutes, oder reden sie nur darüber?

The World We Created Together

Bei meiner Recherche möchte ich eine große Geberkonferenz exemplarisch unter die Lupe nehmen. Wer hat (wieviel) Geld versprochen und dann nicht oder (zu) spät gezahlt? Diese Zahlen möchte ich zusammentragen und so aufarbeiten, dass sich ein vollständiges Bild ergibt. Darüberhinaus interessiert mich der Hintergrund: Wie effektiv wird die Einhaltung der von Gebern gegebenen Versprechen kontrolliert? Was sagen die Helfer über die Folgen gebrochener Geldversprechen? Und (wie) verteidigen sich die Nicht-Geber?

Manche Zahlen sind öffentlich zugänglich, aber schwer zu bekommen. Für jede einzelne versprochene Spende muss geklärt werden, wer wann welche Summe versprochen hat – und am anderen Ende eindeutig, ob und wieviel Geld angekommen ist. Das dauert.

Bei der Vorrecherche hat sich gezeigt, dass persönliche Gespräche nötig sind, um den vollen Inhalt der Zahlenkolonnen zu erfassen. Deshalb werde ich intensiv bei internationalen Organisationen recherchieren, die Zugang zu den nötigen Informationen haben. Mit den recherchierten Zahlen werde ich Regierungen, Unternehmen und anderen Spendern nachspüren, die ihre Versprechungen nicht erfüllt haben – per Email, Brief, Telefon oder persönlichem Besuch.

Wollen Sie mich bei dieser Recherche unterstützen? Dann können Sie das hier tun. Herzlichen Dank!

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