# 6 Ausgeschlossen

Fast drei Jahrzehnte nach Ende des kalten Kriegs spalten Mauern wieder die Welt: Schon heute trennen bereits mehr als 70 Grenzzäune, -mauern und -barrikaden Staaten und Gebiete voneinander, werden geplant oder gebaut. Im sechsten Podcast begeben sich die Weltreporter deshalb auf eine Weltreise entlang von Mauern, Zäunen und Abgründen.

«Ausgeschlossen. Eine Weltreise entlang Mauern, Zäunen und Abgründen» ist auch der Titel unseres neuen Buchs. Mit Geschichten von über zwanzig Orten auf der ganzen Welt, an denen Grenzen gebaut, verstärkt und überwunden werden: Von einem Spezial-Grenzkommando in Korea zum Beispiel. Von einer Frau in einem israelischen Wachhäuschen, einem schmucklosen Polizeigebäude in der Slowakei und einem Vulkankegel in Neuseeland.

Kerstin Zilm ist für das Buch  an die Grenze zwischen Kalifornien und Mexiko gefahren, wo Donald Trump die längst existierende Mauer verstärken will. An einer Stelle, wo hohe Stahlstelen in den Boden gerammt sind, hat sie eine Familie getroffen: Der Vater stand auf der einen Seite, in Kalifornien. Frau, Kinder, Enkelkinder waren auf der anderen. Sehen dürfen sie sich dort, aber nicht berühren. Sie haben sehnsüchtig zu den Möwen geschaut, die so schwerelos die Grenze überwinden. Wie die Musik, die aus einem billigen Kassettenrekorder der Familie herüber wehte.

Wie sinnlos Grenzmauern sind, zeigt die Reportage, die Bettina Rühl im Norden Kenias aufgenommen hat. Die Regierung in Nairobi hatte angekündigt, die Bevölkerung mit einer Mauer vor Terroristen aus Somalia zu schützen. Doch der schließlich errichtete Grenzzaun schützt vor allem eins: Den Fluss von Schmiergeldern, die korrupte Zöllner sich von denen bezahlen lassen, die jetzt erst recht über die Grenze kommen. Was sie da genau schmuggeln, Holzkohle, Handgranaten oder Waffen, kontrolliert natürlich niemand mehr. Die Grenze ist offiziell ja dicht.

41.000 Kilometer Grenzmauern und -zäune gibt es weltweit, ihr Beton würde reichen, um einmal die Erde zu umrunden. Und doch haben unsere Recherchen gezeigt, dass jede Mauer überwunden werden kann. Die Ausgeschlossenen – Arme, Abgehängte oder anders Unterprivilegierte – versuchen alles, um ihrem Los zu entgehen. So entstehen Tunnel oder, wie es Schleuser sagen: Zeige mir eine 6 Meter hohe Mauer und ich zeige Dir eine 7 Meter hohe Leiter. Der Herausgeber des Buchs “Ausgeschlossen”, Marc Engelhardt, berichtet von solchen und vielen anderen Erkenntnissen, die die Weltreporter bei ihren Recherchen erlangt haben.

Mit unseren Mauer-Geschichten aus Korea und Gaza, Mexiko und Tunesien, den Niederlanden und Neuseeland (und von vielen anderen Orten) sind wir Weltreporter auch on Tour. Bei der großen Buchpräsentation in Köln haben wir einen ausverkauften Saal im Excelsior Hotel Ernst gerockt. Und unser Podcast-Reporter Jürgen Stryjak (eigentlich Kairo) hat die Besucher danach gefragt, was sie über Mauern und unser Projekt denken, das auch Mauern in den Köpfen, in der Kunst oder im Kampf gegen die Klimakrise beleuchtet.

Wie Deutschland Mauern und Grenzbefestigungen im Norden Afrikas bauen lässt, berichten im Buch Sarah Mersch (Tunis) und Birgit Kaspar (Toulouse) auf eindrucksvolle Weise. Wie schwer diese Recherchen waren und wie ungern sich die Bundesregierung dabei auf die Finger schauen lässt, berichten sie exklusiv im Weltreporter-Podcast.

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