#8 Moderne Glaubenskriege

Freund oder Feind? Gut oder Böse? Bei vielen Themen scheint es nur noch Extrempositionen zu geben. Die Fronten sind verhärtet. Eine ausgewogene Debatte ist nicht mehr möglich. Argumente werden niedergeschrien. Shitstorm statt Streitkultur. In der achten Episode des Weltreporter-Podcasts beschäftigen wir uns mit diesen modernen Glaubenskriegen.

Eine Debattenkultur? Ein sachlicher Austausch von Argumenten? Eine kontroverse, aber gleichzeitig faire Diskussion? Danach sehnen wir uns alle – das fiel uns beim gemeinsamen Brainstorming im Podcast-Team auf. Denn leider machen wir von Durban bis Kairo, von London bis LA, von Toulouse bis Taipeh einen anderen Trend aus: Moderne Glaubenskriege statt Gedankenaustausch.

… “Those other people”, zweiter Teil des Kunstwerks von Ed Ruscha. Gesehen von Kerstin Zilm.

Wir und die anderen….. “The right people” … Künstler Ed Ruscha bringt es im Broad-Museum, LA, auf den Punkt.

In diesen sogenannten Debatten geht es nicht mehr darum, die Argumente der anderen zu hören, sondern jeden niederzumachen, der es wagt eine andere Meinung zu vertreten. Vom Streitgespräch ist meist nur noch der Streit geblieben. Die sozialen Medien haben Blasen geschaffen, in der wir uns ausschließlich mit Gleichgesinnten umgeben können, in der nur Freund oder Feinde gibt. Wir leben in virtuellen und zunehmend auch realen Welten, die von verhärteten Fronten statt Diskussionen über harte Fakten geprägt sind, in denen die Gerüchteküche täglich überkocht und Verschwörungstheorien Hochkonjunktur haben.

Das wirkt sich sowohl auf unseren Alltag, als auch auf unsere Arbeit als Auslandskorrespondenten aus. Weltreporter erzählen in diesem Podcast welche modernen Glaubenskriege in ihren Ländern ausgefochten werden – von Europa-Politik bis Ebola-Impfung, von Palmöl-Anbau bis zu selbsternannten Propheten.

Glaubenskrieg um die “grünen Wüsten”, Palmölplantagen in Indonesien

Meinungstod statt Meinungsstreit in Ägypten: Protest-Selfie des Oppositionellen Ahmed Badawi

Es geht um die Frage, wie ein solches Gruppendenken zementiert wird, wie Andersdenkende zum Schweigen gebracht, Angst und Misstrauen gesät werden, wie der Balanceakt zwischen ideologischen Fronten gelingen kann und welche Folgen diese Debatten-Unkultur hat.

Birgit Kaspar spricht in ihrem Audio-Essay von dem drohenden Verlust des demokratischen Lebenselixiers. Wie leblos es sich ohne dieses Elixier anfühlt, schildert Jürgen Stryjak aus Kairo. Mit neuen Lebensgeistern aus Kalifornien beendet Podcast-Moderatorin Kerstin Zilm diese Podcast-Episode, die der Brexit-Glaubenskrieg-geplagte Sascha Zastiral wie immer in seinem Londoner Studio produziert hat. Wir hoffen, dass sie zu Diskussionen anregt!