Radio-Beitrag | Christoph Drösser

Fahnenwechsel im Pride-Month: 45 Jahre Regenbogenflagge

2023-06-19

Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine hat eine internationale Energiekrise ausgelöst. Viele europäische Länder bemühen sich, von russischen Energieimporten unabhängig zu werden. Deutschland hat das Gaspipeline-Projekt Nord Stream 2 gestoppt, an einem vollständigen Energie-Embrago gegen Russland will es sich jedoch noch nicht beteiligen.

Die Regenbogenfahne ist das internationale Symbol der LGBT-Bewegung. Sie weht in diesen Tagen sogar an den Rathäusern vieler Städte, die den Pride-Monat feiern. Aber wissen Sie, woher die Fahne stammt? Christoph Drösser berichtet aus dem Castro, dem Zentrum der LGBT-Bewegung in Francisco.

 

Atmo: Flaggenwechsel im Castro/San Francisco

darin O-Ton Terry Asten Bennett:

We are so happy to have you here to join us today to kick off pride. It takes a lot of hands to get it up and down because the wind is crazy and the flag is really big. …

 

Sprecher:

Etwa 30 Menschen haben sich an einem windigen Tag Anfang Juni versammelt, um die Regenbogenfahne auszutauschen, die hier über dem Stadtteil weht. Die Fahne ist riesig, sechs mal neun Meter groß, und es sind viele Hände nötig, um sie herunter- und wieder hochzuziehen.

 

Atmo von der Aktion

 

Sprecher:

Diese Aktion findet drei- bis viermal im Jahr statt – der Wind zerzaust den Stoff, und die Vereinigung der örtlichen Händler möchte, dass die Fahne immer in einem guten Zustand ist. Deshalb hat sie in den 90er Jahren die Verantwortung dafür von der Stadtverwaltung übernommen.

 

Musik: Rolling Stones – She’s A Rainbow

 

In den 1960er und 70er Jahren wurde der Castro das Zentrum der Schwulen- und Lesbenbewegung in San Francisco. Das erste Symbol dieser Bewegung war das rosa Dreieck, mit dem in der Nazizeit Homosexuelle gekennzeichnet wurden. Harvey Milk, der erste gewählte offen schwule Politiker der USA, der hier im Viertel lebte, fand, dass die Bewegung ein weniger belastetes Symbol bräuchte.

Der lokale Künstler Gilbert Baker entwarf das Design, und am 25. Juni 1978 wehte seine Fahne zum ersten Mal bei der Gay Freedom Day Parade in San Francisco. Bei ihm hatte der Regenbogen noch acht Streifen: rosa, rot, orange, gelb, grün, türkis, blau und lila. Die wurden dann auf sechs reduziert, Rosa und Türkis fielen weg, unter anderem weil der rosa Stoff nicht so leicht zu bekommen war. Gilbert dementierte übrigens, dass er von dem Song “Somewhere Over the Rainbow” von Judy Garland inspiriert worden sei. Tatsächlich war es  “She’s A Rainbow” von den Rolling Stones.

 

Atmo: Pride Parade San Francisco 2022

 

Sprecher:

Die Fahne wird in diesem Monat bei allen Pride-Umzügen geschwenkt, auch in San Francisco. Im Castro aber ist sie permanent präsent. Nicht nur die große, weithin sichtbare Flagge. Hier leuchtet der Regenbogen in vielen Schaufenstern, sogar die Zebrastreifen an der zentralen Kreuzung bestehen aus den sechs farbigen Streifen.

Inzwischen gibt es viele Abwandlungen der Fahne, was von Gilbert Baker zu seinen Lebzeiten ausdrücklich begrüßt wurde – der Künstler starb 2017. Fahnen für Transsexuelle, Bisexuelle, Asexuelle – die Varianten sind kaum zu zählen.

In diesem Jahr sind der Pride-Monat und die Pflege der Fahne besonders wichtig, sagt Terry Asten Bennett, die Vorsitzende der Händler-Vereinigung.

 

O-Ton Terry Asten Bennett:

And is that more important this year than ever, I would say it is absolutely more important this year. I can’t believe how backwards our country is gone, so it is absolutely so incredibly important that we show how proud we are, boldly, loudly …

 

Sprecher:

Die Erzkonservativen haben zwar den Kampf gegen die gesellschaftliche Anerkennung von Homosexuellen verloren, aber sie suchen sich neue Felder: Im nächsten Wahlkampf wird es vor allem um die Behandlung von LGBT-Themen in der Schule und um transsexuelle Jugendliche gehen.

Im Castro wird die Regenbogenfahne weiter im Wind flattern, alle paar Monate eine neue. Die alten werden übrigens nicht weggeworfen.

 

O-Ton Terry Asten Bennett:

So if you’re interested in getting a hold of one of the old flags please email info@castromerchants.com …

 

Sprecher:

Interessierte Künstlerinnen können sich an die Händler im Castro wenden und sich um ein Stück des bunten Stoffs bewerben.

via www.deutschlandfunk.de

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