Los Angeles: Ein Kinderbuch über den Holocaust inspiriert Handeln in der Gegenwart

Ein Kinderbuch über den Holocaust? Das geht nicht. Diese Antwort bekam Illustratorin und Autorin Stephanie Lunkewitz viele Male, bevor sie einen Verlag für ihr Buch fand. „Ich war Eva Diamant“ heißt es, und Eva Szepesi ist die Ko-Autorin. Szepesi überlebte das Konzentrationslager Auschwitz. Sie sprach 2024 vor dem Bundestag die eindrücklichen Worte „Nie wieder ist jetzt“. Diese Worte resonieren auch in Los Angeles, wo Stephanie Lunkewitz gerade ihr Buch vorstellte.
Die 13 Jahre alte Dalia Kienapfel liest im Theater des Wende Museums von Los Angeles aus der Übersetzung von „Ich war Eva Diamant“. Von den Kinderjahren des Mädchens in Budapest. Mit Eltern, Bruder und Großeltern. Kaninchen, Gänsen, Aprikosenbäumen und Schabbat-Feiern. Vom gelben Stern am blauen Mantel. Den Abschieden von Vater und Mutter. Drei Tagen und Nächten im Viehwagen. Der Angst und dem Hunger in Auschwitz, der Befreiung durch die russische Armee.
Stephanie Lunkewitz hat die Geschichte mit der Holocaust-Überlebenden Eva Szepesi aufgeschrieben und Illustrationen dazu geschaffen. Für ein Kinderbuch. Keine einfache Aufgabe, sagt die Autorin. Ihre Zeichnungen und Gouachen basieren fast vollkommen auf Erinnerungen. Acht Jahre hat sie an dem Buch gearbeitet. Stundenlang mit Zeitzeuginnen und -zeugen zusammen gesessen.“Das zu malen hat mich natürlich sehr berührt. Auch diese Abschiedsszene am Bahnhof. Heute weiß sie, dass das der letzte Moment war, wo sie ihre Mutter umarmt hat. Ich bin selbst Mutter und das zu malen, da sind mir die Tränen geflossen.“
Mary Bauer ist 98, wurde wie Eva Szepesi in Budapest geboren. Auch sie hat das Vernichtungslager Auschwitz überlebt. Mary Bauer bezeichnet Stephanie Lunkewitzs Kinderbuch als ein unschätzbares Geschenk gegen Diskriminierung und das Vergessen. Sie selbst spricht nicht mehr vor jungen Kindern. Ihre ungefilterten Erzählungen erschrecken die. Mary Bauer ist das Kinderbuch auch deshalb wichtig, weil sie sich wegen des gegenwärtigen Antisemitismus und der Vorurteile gegenüber Nicht-Weißen Menschen in den USA sorgt.
Die Schülerin Dalia Kienapfel wusste vom Holocaust, bevor Stephanie Lunkewitz vor ihrer Klasse aus dem Buch las. Manche ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler nicht. Es berührt sie besonders, dass es eine wahre Geschichte ist. „Es ist etwas, das ein Mensch wirklich durchgemacht hat und das ist wirklich traurig. Ich hoffe, dass so etwas nie wieder passiert. Besonders jetzt, wo viele Menschen abgeschoben werden, und solche Sachen passieren. Wir sollten mehr über unser Handeln nachdenken.“
Die aktuelle Situation ist auch der Anlass für die Veranstaltung in Los Angeles, sagt Mitorganisatorin Anne-Christine Witzgall in ihrer Einführungsrede. „Nie wieder ist Jetzt“ – das ist heute schmerzlich aktuell. Antisemitismus, Intoleranz und Hass werden oft verharmlost. Stephanie Lunkewitz und Mary Bauer erinnern uns daran, was passiert, wenn Hass unwidersprochen bleibt. Warum es nicht nur darum geht, sich zu erinnern, sondern auch darum, wie wir in der Gegenwart reagieren und die Zukunft gestalten.
Für die Autorin von „Ich war Eva Diamant“, Stephanie Lunkewitz, ist es zur Mission geworden, die Geschichte der Überlebenden zu erzählen. Auf Deutsch und auf Englisch.