Artikel | Birgit Svensson

Warum Jordanien und Saudi-Arabien zunehmend ins Visier iranischer Angriffe geraten

2026-08-03

Der Krieg gegen den Iran weitet sich zunehmend auf Jordanien und Saudi-Arabien aus. Schuld daran sind auch vermehrte US-Truppen-Verlegungen in die Region.

Jordanien und Saudi-Arabien sind längst Teil des Kriegs der USA gegen den Iran. In der jordanischen Stadt Azraq, die 80 Kilometer östlich der Hauptstadt Amman und 100 Kilometer von der irakischen Grenze entfernt liegt, nutzen die US-Amerikaner den Luftwaffenstützpunkt Muwaffaq Salti. Ihnen gelten die vermehrten iranischen Angriffe auf Jordanien in den letzten Wochen, seitdem US-Präsident Donald Trump das mit dem iranischen Präsidenten, Massud Peseschkian, unterzeichnete Memorandum of Understanding (MOU) als gescheitert erklärt hat. Drei US-Soldaten wurden bereits in Jordanien getötet. Auch deutsche Bundeswehrsoldaten sind im Rahmen des Anti-IS-Einsatzes auf der Basis stationiert. Wie viel Schaden die Geschosse der Mullahs in Muwaffaq Salti bis jetzt angerichtet haben, wollen weder jordanische Stellen noch die USA benennen.

Jordanien sieht sich nicht als Handlanger Israels. „Die Iraner sagen, wir schießen Raketen ab, die auf Israel gerichtet sind, und dass wir Israel helfen. Das tun wir nicht“, sagt Zaid Eyadat, Professor für Politikwissenschaften an der jordanischen Universität in Amman. „Wir schießen die Raketen ab, die auf uns gerichtet sind, die auf unserem Territorium fliegen.“ Offiziell halte sich Jordanien aus dem Krieg heraus, behauptet Eyadat, der auch als Berater des Königs Abdullah arbeitet. Im ersten Teil des Kriegs bis zum MOU Mitte Juni war Jordanien damit erfolgreich. Doch dann wurden immer mehr US-Truppen nach Jordanien verlegt, Muwaffaq Salti wurde zu einem Drehkreuz der US-Armee. Andere arabische Staaten verweigerten den USA die Nutzung ihrer Militärbasen und verfügten Verbote zur Nutzung ihres Luftraums.

Die meisten Geschosse werden abgefangen, erklärt Eyadat. Jordanien habe einen Pakt mit den USA, die die iranischen Raketen unschädlich machten. Er geht davon aus, dass sein Land nach dem Ende des Kriegs noch näher an die USA heranrücken werde. Der Iran habe Eyadat zufolge keine Chance: „Das Regime wird nicht kollabieren, aber es ist geschwächt.“ Der Regimewechsel im Iran sei für die USA nie wirklich ein Ziel gewesen. „Deshalb ist die iranische Reaktion jetzt völlig irrational.“ Israelis und US-Amerikaner hätten den Aspekt mit dem Regimewechsel völlig falsch eingeschätzt, indem sie meinten, die Iraner würden von innen heraus gegen das Regime aufstehen und das Regime werde kollabieren. Allerdings, so Eyadat, sei dieses Kalkül von den Israelis vorgebracht worden, nicht von den US-Amerikanern.

Saudi-Arabien hat wie die anderen Golfstaaten bisher stillgehalten. Man wolle deeskalieren, hieß es in der Hauptstadt Riad, als der erste Teil des Kriegs in vollem Gange war. Stoisch wurden die Angriffe der Iraner hingenommen, sei es auf Ölanlagen oder US-amerikanische Institutionen oder Botschaften. Die Sperrung der Straße von Hormus, Saudi-Arabiens Lebenslinie für den Öl-Export, wurde durch eine fast schon vergessene Pipeline zum Roten Meer umgangen. Doch jetzt greifen die von Iran unterstützten Huthi-Rebellen aus dem Jemen saudische Öltanker auch dort an, sabotieren die Pipeline zum Roten Meer und drohen gar mit der Schließung des Bab al-Mandabs, der Meerenge zwischen dem Golf von Aden und dem Roten Meer.

Auch Irans Proxy im Irak, die sogenannte Volksmobilisierungsfront (Hashd al-Shaabi), kommt Teheran zu Hilfe und attackiert Saudi-Arabien mit Drohnen. Riad beobachtet gar eine Verzahnung der Huthis mit den irakischen Schiitenmilizen. Die Jemeniten sollen Angriffe auf Saudi-Arabien von irakischem Territorium aus verübt haben, heißt es in Riad. Jetzt schlägt Saudi-Arabien zum ersten Mal zurück und fliegt zusammen mit den USA Luftangriffe gegen Huthi-Stellungen im Jemen und Stützpunkte der Hashd al-Shaabi im Irak. Auch wenn Trump die angekündigten neuen Attacken gegen den Iran vorerst aussetzt, ist der Krieg noch lange nicht beendet.