MüNCHEN, Dienstag, der 29. März 2011
Martin Zöller

400 Euro für die falsch getrennte Glühbirne

„Geht ein Römer zur Mülltonne und trennt Papier und Plastik“ – bis vor ein paar Wochen hätte ich das noch als Antiwitz erzählen können nach dem Motto: „Gehen zwei Männer über eine Brücke. Der eine fällt ins Wasser, der andere heißt Helmut!“ Doch seit 1. März ist alles anders.

Gut, es gab schon früher Tonnen für Plastik und Papier vor meiner Haustür, aber mal ganz ehrlich: Waren das nicht einfach andersfarbige Restmülltonnen? Zwar gab es wirklich Nachbarn wie Signora Lovello aus dem vierten Stock, welche auf geradezu teutonische Art fein säuberlich gestapelte Joghurtbecher in den Plastikcontainer warf – doch die hat ja auch zwölf Katzen und gilt als leicht verrückt. Die meisten aus meinem Haus machten es so wie Signor Prosperi: Wenn die Restmülltonne voll war, kam der Beutel halt in den Plastik oder Altpapier-Container. Als er sich einmal ertappt sah, streckte er sein Kinn nach vorne und machte dieses römische „eh eh eh“, das so viel bedeutet wie: „Ja mei“. Oder „Ich steh dazu. Was soll ich denn anderes machen? Ach komm schon!“

 

Tja, Herr Prosperi, die Zeiten sind vorbei. Denn nun wird der Müll persönlich kontrolliert, bevor man ihn abgibt. Ja wirklich! Wo früher gemütliche Tonnen standen, die alles fraßen, was man in ihre Mäuler stopfte, steht nun ein strenger Mensch: Unter enormen Personalaufwand der Abfallbetriebe wird mein Stadtviertel gerade umerzogen – andere Viertel werden dann folgen. Plastik-, Papier-, Bio-, oder Restmülltüten werden persönlich übergeben. Und ich und meine Nachbarn zittern vor dem prüfenden Blick von Müllfrau oder Müllmann. Geschockt erzählte mir mein Nachbar und Freund Andrea vor ein paar Tagen die Geschichte von der Glühbirne: Der Müllmann hatte sie im Restmüll entdeckt und Andrea sollte 400 Euro Strafe zahlen oder die Glühbirne zum etwa 20 Autominuten entfernten Wertstoffhof fahren. Andrea nahm die Glühbirne wieder nach Hause, wo sie gleich rechts im Eingang auf der Ablage liegt. „War das ein deutscher Müllmann“, habe ich gefragt, doch Andrea schüttelte den Kopf: „Ein Römer!“ Kaum zu glauben.  

Doch nicht genug, es gibt noch etwas erstaunlich Neues in Rom. Gestern war ich Einkaufen im Supermarkt, an der Kasse fragte ich nach einer Tüte und dachte an „Plastiktüte“. „Da unten“, sagte der Kassierer und deutete auf einen Stapel Papiertaschen. Gut, seit 1. Januar gilt ein Gesetz in Italien, dass Plastiktüten verbietet. Aber, Madonna! Wer hätte gedacht, dass das wirklich umgesetzt wird! Ich zwinkerte zweimal mit den Augen, doch immer noch lagen da nur Papiertüten. „Geht ein Römer in den Supermarkt und geht mit einer Papiertüte wieder heim“. Was wäre das noch vor einem Jahr für ein großartiger Anti-Witz gewesen!

 

 

 

 

 

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