KAIRO, Donnerstag, der 3. Februar 2011
Jürgen Stryjak

7:24 Kairo, auf dem Platz der Befreiung

Wir zwei, die wir die Frühschicht der Berichterstattung machen, haben die Nacht im Hotel verbracht, allerdings nahezu nicht geschlafen. Der Lärm von der Gewalt auf der Straße ist laut, aber das ist nicht das Schlimme, er ist irgendwie apokalyptisch, Schreie, Detonationen, Salven aus Schnellfeuerwaffen, Pistolenschüsse, und dann dieses rhythmische Klopfen, das gespenstisch ueber den Platz dröhnt. Inzwischen weiss ich, dass das nicht von den Mubarak-treuen Mobs stammt, sondern von den Demonstranten der Demokratiebewegung. Sie tun das seit neun bis zehn Stunden, klopfen unermüdlich, offensichtlich um ihre Angreifer einzuschüchtern. Sie wollen den Platz der Befreiung nicht aufgeben, er ist das Herz ihrer Revolution. Gerade haben wir beobachtet, wie ein Bus kommt, einer der Schlägertypen in Jeans salutiert, dann steigen junge Männer aus dem Bus, reihen sich ein und machen mit beim Werfen von Steinen und Brandbomben gegen die Demonstranten.

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