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Ausgangssperre und Abaja zum Wahltag in Bagdad

 

An zwei Dinge kann ich mich nicht gewöhnen, obwohl ich schon seit fast sieben Jahren im Irak arbeite. Ausgangssperren und die schwarze islamische Kleidung sind mir nach wie vor ein Gräuel. Über vier Jahre lang herrschten in Bagdad permanente Sperrstunden, deren Anfang je nach Sicherheitslage nach hinten verschoben wurde. Sie begannen um 19 Uhr, 20 Uhr oder im besten Falle um 22 Uhr und galten immer bis morgens um sechs. Hinzu kamen monatelange Ausgangssperren am Freitag Vormittag. Man musste sich also immer informieren , wann man das Haus verlassen konnte, ob zu Fuß oder mit dem Auto. Irgendwann hatten die Bagdader entschieden, dass sie grundsätzlich nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr auf die Straßen gingen. Die Stadt war am Abend ausgestorben. Totale Ausgangssperren jedoch waren das schlimmste. Sechs Millionen Menschen blieben dann tagelang vollkommen eingesperrt. Niemand durfte sich auf den Straßen blicken lassen, außer Soldaten, Panzern und Militärfahrzeugen. Bagdad wurde zum Gefängnis. Offiziell wurden die Ausgangssperren letztes Jahr aufgehoben, doch nach den schweren Terroranschlägen im November und Dezember gelten sie wieder ab Mitternacht. Fünf nach zwölf ist Bagdad tot. Zu den Wahlen am 7. März soll es nun auch tagsüber wieder ruhig sein. Die Regierung will ein Fahrverbot verhängen. Man diskutiert noch, ob diese Maßnahme nur einen oder gar zwei Tage vor dem Urnengang verhängt wird. Die Kinder freuen sich schon. Denn dann können sie Fußball spielen auf den sonst hemmungslos verstopften Straßen der Hauptstadt.

Ähnlich verhält es sich mit dem Outfit der Frauen. Aus Angst vor den radikalen Islamisten, die sich zum Ziel gesetzt hatten, aus Irak eine islamische Republik zu machen, hüllten sich die Irakerinnen in Abaja und Hijab, dem langen schwarzen Mantel und dem alle Haare verdeckenden, ebenfalls schwarzen Tuch. Flugblätter, die in den einzelnen Stadtvierteln Bagdads verteilt wurden, forderten die Frauen dazu auf, islamische Kleidung zu tragen. Bei Zuwiderhandlungen drohe ihnen eine harte Strafe. Einige Frauen wurden erschossen. Fortan verhüllten sich auch Christinnen, die traditionell keine Kopfbedeckungen tragen. Auch ich legte Mantel und Schleier an, wenn ich das Haus verließ – zum Selbstschutz. Bei den hohen Temperaturen, die fast das ganze Jahr im Irak herrschen, ist dies eine Tortur. Der Schweiß läuft in Bächen den Rücken hinunter, schwarz zieht die Hitze besonders an und niemand kann mir erzählen, dass es angenehm sei, sich so zu kleiden. In den letzten Monaten konnte man verstärkt Frauen ohne Kopfbedeckung auf den Straßen Bagdads erblicken. Doch wenn Ausgangssperre herrscht, werden die Schleier wieder aus dem Schrank geholt.

 

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