BERLIN, Samstag, der 9. August 2008
Eva Corell

Chinesische Olympioniken

"Hai keyi" sagt das chinesische Zimmermädchen, als ich sie frage, wie ihr die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele gefallen hat, "ganz gut". Klingt nicht nach Euphorie. Ich höre allseits eher Erleichterung heraus, dass das grandiose Anfangs-Spektakel, auf das ganz China 7 Jahre hinarbeiten musste, endlich erfolgreich über die Bühne gebracht ist.

Ganz Peking stand still, Restaurants waren geschlossen, Straßen gesperrt, Polizisten bewachten jede Brücke. Mehr als 80 Staats- und Regierungschefs waren angereist, Chinas Präsident Hu kam aus dem Händeschütteln gar nicht mehr raus. Für die kommunistische Führung hat sich der Aufwand gelohnt. Und für die Mitwirkenden…  

Wang Xiao und Xu Feng, 2 Schauspielerinnen aus Anhui, waren dabei. Mehr als ein Jahr lang haben sie geprobt, zuletzt in Peking, jede Nacht von 1 Uhr bis zum Morgen. Musste ja alles geheim bleiben. Tag für Tag, ohne Pause, nur nach der Generalprobe hatten sie einen Tag frei. Den nutzten sie, um früh um 3 Uhr aufzustehen und den Einlauf der olympischen Fackel in Peking zu verfolgen. Mein Kopfschütteln kann Wang gar nicht verstehen. "Olympia ist großartig, da müssen wir China doch anfeuern," sagt sie ohne jede Ironie.

Im Vogelnest am 8.8. sind Wang und Xu nur Teil des Vorprogramms. Musikgruppen, Drachentänzer, die das Publikum anheizen bis zum großen Countdown. 2 Tropfen in einem Ozean von Menschen, versteckt hinter bunten Kostümen. Und die beiden bekommen nicht mal Geld dafür. Kost und Logis sind frei, alles andere – Schulterzucken. Dabei sein ist alles, ein wahrhaft olympischer Gedanke.

 

 

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