WASHINGTON, DC, Montag, der 25. Juni 2012
Renzo Ruf

Der «Fighting Sioux» entschwebt in die ewigen Jagdgründe

Zu einer der großen Überraschungen meines Korrespondentendaseins in den USA gehört, wie wenig sich Leserinnen und Leser (oder Redakteurinnen und Redakteure) für Indianer-Geschichten interessieren. Ich dachte immer, dass Berichte über das Leben der amerikanischen Ureinwohner in meiner Heimat auf besonders offene Ohren stoßen – obwohl ich in meiner Jugend nun wirklich kein Winnetou-Leser war.

Diese Geschichte beispielsweise: Kürzlich hat der konservative Bundesstaat North Dakota in einer Volksabstimmung entschieden, dass die staatliche Universität den Übernamen «Fighting Sioux» in den Ruhestand schicken darf. Dieser Übername, der vor allem bei Sportveranstaltungen der Universitätsmannschaften eingesetzt wurde, hatte angeblich Anspielungen auf die Widerstandskraft der Indianer geweckt. Solche (späte) Verbeugungen vor den «Native Americans  sind aber heutzutage verpönt. Nur wenige Sportteams – die Redskins in der NFL (Football) beispielsweise, oder die Cleveland Indians in der MLB (Baseball) – halten noch an ihnen fest. Die Vereinigung der College-Sportorganisationen NCAA hingegen hat einen Bann verhängt: Wer an seinem Indianer-Maskottchen oder -Übernamen festhalten will, der wird im Gegenzug von den nationalen Sportwettbewerben verbannt. Da dies finanzielle Folgen hätte, befolgen fast alle Unis den Ukas der NCAA.

So weit, so gut. Die Geschichte in North Dakota – dem derzeit wirtschaftlich erfolgreichsten US-Bundessstaat übrigens – besitzt aber noch einen zusätzlichen Dreh. Der Stamm der Spirit Lake, ein Zweig der Sioux-Indianer, sprach sich nämlich ausdrücklich für die Beibehaltung des Übernamens aus. Und auch aus einem anderen lokalen Stamm waren positive Stimmen zu hören.

Eine spannende Geschichte, finde ich. Sie zeigt, wie stark sich die Beziehungen zwischen Einwanderern und Ureinwohnern verändert haben – und wie komplex sie immer noch sind, angesichts der wirtschaftlich desolaten Verhältnisse in vielen Indianer-Reservaten. Aber eben: Platz hat eine solche Geschichte derzeit in deutschsprachigen Tageszeitungen nicht. Ob es wohl daran liegt, dass die Winnetou-Fans langsam aussterben?

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