OXFORD, Mittwoch, der 2. Dezember 2009
Corinna Arndt

Der Pawlowsche Reflex des Nachrichtenredakteurs

Mediensoziologen machen ja vor nichts und niemandem Halt. Manche setzen sich mitten in den Newsroom und beobachten, nach welchen Kriterien Journalisten Informationen auswählen, die sie dann als Nachricht in die Zeitung, ins Fernsehen oder wohin auch immer bringen.

Hin und wieder, das hat Gaye Tuchman 1973 mit eigenen Augen beobachtet, landet auf dem Schreibtisch des Nachrichtenredakteurs ein besonders ungewöhnliches, wunderbar saftiges Informationshäppchen, das in die Kategorie ‘What a story!’ (Was für eine Geschichte!) fällt. Was dann passiert, liest sich bei Tuchman später so:

“Das Ausmaß, in dem diese Typologie selbst Routine ist, zeigt sich symbolisch in der fast stereotypen Art, in der verbale und nonverbale Gesten den Ausruf ‘Was für eine Geschichte!’ begleiten. ‘Was’ wird betont. Der Sprecher verstärkt diese Betonung, in dem er langsamer als normal spricht. Er verstärkt sie noch weiter, indem er langsam mit dem Kopf nickt. Dabei grinst er und reibt seine Hände.”

Nur sabbern tut er nicht, jedenfalls nicht unter Beobachtung…

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