OXFORD, Donnerstag, der 1. Oktober 2009
Corinna Arndt

Der Weg ist das Ziel…

Ich verbringe gerade mal wieder deutlich mehr Zeit auf Flughäfen und Bahnhöfen, als mir lieb ist. Irgendwann fand ich das ja mal spannend, dieses Rumgondeln zwischen den Welten. Inzwischen gilt: Augen zu und durch bzw. Augen auf und Laptop auf die Knie.

Daraus wurde diesmal nix. Emirates-Flug von Dubai nach London: Babygeschrei überall, hysterische Mütter – und ein herrenloser Koffer an Bord, der wieder rausgeräumt werden muss. Noch während des Steigflugs übergibt sich das nette kleine Kerlchen vom Schoß nebenan und tränkt meine Jeans mit angewärmter Milch. Sowas nimmt man als Frau im gebärfähigen Alter ja noch mit Fassung… Schwieriger wird es schon, als ich nach der Landung meine Laptoptasche aus dem Gepäckfach nehme, die sich mit Wasser aus der geplatzten Flasche des japanischen Geschäftsmanns von schräg gegenüber vollgesaugt hat. Well, auf zur Passkontrolle! – einer fensterlosen Halle, in der sich ein paar hundert Passagiere aus aller Welt im Laufe von ein, zwei Stunden mit Zähnen, Klauen und quengelnden Kindern an der Hand irgendwie an drei Schalter vorkämpfen und dabei besorgte Blicke auf die überall angebrachten Schweinegrippewarnungen werfen. (Es gibt noch andere und wahrscheinlich relevantere Plakate: Die warnen vor gewalttätigen Übergriffen auf die britischen Beamten…)

Einen Tag später dann auf dem Weg zum Billigflieger nach London Stansted. Am Bahnhof stellt sich heraus: Die Zugverbindung zum Flughafen ist unterbrochen, eine irgendwie koordinierte Alternative gibt es nicht. Am Check-In von AirBerlin angekommen darf ich für knapp zwei (!) Kg zu viel Übergepäck zahlen, dann bei der Sicherheitskontrolle noch brav die Schuhe ausziehen und mein Gepäck nach den ewig verdächtigen Mikrophonen durchwühlen lassen. Fünf Minuten vor Abflug habe ich nach einem beherzten Spurt zum Gate meine Bordkarte in der Hand.

Ein Wink mit dem Zaunpfahl, denke ich, die Götter wollen mich nicht da oben. Und Zugfahren ist ja auch viel umweltfreundlicher. Also buche ich für den Rückweg von Dresden nach London das “London-Special” der Deutschen Bahn. Bis Berlin läuft alles ganz wunderbar. Doch dort steht statt des ICE ein ausrangierter Interregio auf dem Bahnsteig, der trotz größter Anstrengungen pro Stunde eine Viertelstunde Verspätung einfährt. Dazu ein ungeplanter Zugwechsel in Hamm, und schwupps: Ab Köln sind alle Anschlusszüge weg. Mit zwei Stunden Verspätung sitze ich endlich, endlich im leise durch die Nacht schnurrenden Eurostar von Brüssel nach London. Aufatmen. Bis sich plötzlich draußen nichts mehr bewegt. Wir hätten gerade in Ashford unplanmäßig gehalten, verkündet die Zugchefin. Sie wisse auch nicht, warum. Kurz darauf wird klar: Im Londoner Bahnhof St. Pancras ist der Strom weg – und das kann dauern. Tief in der Nacht erreiche ich (stehend und in eher zombiehaftem Zustand) in einem Vorortszug London. Und bin, was künftige Reiseplanungen angeht, mit meinem Latein am Ende. Scotty, beam me up…!!

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