PARIS, Freitag, der 20. November 2009
Barbara Markert

Die scheinheiligen 3 Cent-Tüten

In Frankreich erwacht mehr und mehr das Umweltbewusstsein und das ist gut so. Doch zwischen den Absichtserklärungen und dem tatsächlichen Handeln der Mitbürger liegt ein weites Feld. Noch immer schmeißen Franzosen und Pariser ihren Müll auf der Straße lieber neben den Mülleimer, als in den Mülleimer hinein. Noch immer brennen im Haus und Wohnung alle Lichter. Denn der Atomstrom kostet wenig. Und noch immer gehen alle einkaufen ohne Jute-Tasche oder Einkaufskorb. Die dünnen Plastiktüten in den Supermärkten gingen jahrzehntelang weg wie warme Semmeln und landeten alsbald im Hausmüll. Nun aber haben die Supernmärkte aus Imagegründen einen Schlussstrich unter diese Umweltsünde gezogen und bieten nur noch Kauftüten an.

Die sind qualitativ wenig hochwertiger als die dünnen Gratis-Tüten, die es vorher gab, und dürfen deswegen dann eben auch nicht so viel kosten. Ganze 3 Cent muss man für die “grünen” (welche Frabe auch sonst), wiederverwertbaren Einkaufstüten hinblättern. Das kann sich jeder leisten, sogar der Chlochard, der sich seinen Rotwein für den Nachmittag kauft.

Bloß er, wie auch die Kunden stellen leider schnell fest, dass sie nicht weit kommen mit den Tüten. Spätestens nach 10 min. Fußweg hängen die Tüten durch, hat man zuhause den Einkauf ausgepackt, kann man die 3-Cent-Tüte auch direkt in den Müll schmeißen, denn sie hat Löcher. Die Frage stellt sich also: Zu was sind die gut? Oder sehen die Supermärkte in ihnen nur eine zusätzliche Einnahmequelle? Mit Umweltdenken hat diese Aktion auf alle Fälle gar nichts zu tun. 

Fotos: Markert

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