NEU-DELHI, Freitag, der 2. März 2007
Britta Petersen

Die Zeitung lebt

Wer befürchtet, dass die Zeitung ausstirbt, sollte nach Indien kommen. Möglicherweise wird sie hier noch überleben, wenn in Europa schon jedes Klo einen Internetzugang hat. Ich weiß nicht, wie viele Zeitungen Indien hat, aber für den Korrespondenten ist mit der Fülle die ganz praktische Frage verbunden: Was lesen?

Ich habe derzeit vier Tageszeitungen und ein Magazin abonniert, aber irgendwie habe ich immer noch den Eindruck, es ist zu wenig. Selbst nach kürzeren Dienstreisen stellt sich deshalb dieses Gefühl aus Studententagen ein, als „Die Zeit“ noch richtig dick und schwer war: Wenn man damals nicht dazu kam, sie zu lesen, hatte man entweder ein schlechtes Gewissen oder aber man verwandelte sich in einen „Messie“, der Stapel von Altpapier hortete, unter dem Vorwand, das alles noch lesen zu wollen.

Um nur einen kurzen Eindruck von meinem Lesepensum zu geben: Ich habe die „Hindustan Times“ abonniert, die ist wirklich unersetztlich, „The Hindu“ hat das beste Feuilleton, der „Business Standard“ ist die beste Wirtschaftszeitung und „Asian Age“ berichtet ausführlich über die muslimische Minderheit. Die Wochenzeitung „Tehelka“ ist eine Art indische taz und notwendig für jeden, der wissen will, was jenseits des Establishments passiert. Einmal im Monat kaufe ich auch das interessanteste Stadtmagazin in Delhi „First City“.

Aber eigentlich sollte ich auch noch die „Times of India“ und die „Economic Times“ lesen, weil jeder sie liest, und den „Indian Express“ wegen möglicher Scoops. Außerdem ist gerade eine neue Wirtschaftszeitung auf den Markt gekommen, „Mint“, die ist hervorragend und ich werde sie wirklich abonnieren. Was ich noch überhaupt nicht erwähnt habe, sind die Magazine, wie zum Beispiel „Outlook“ und „India Today“, die gute Hintergrundberichte liefern, und die Wirtschaftsmagazine.

Zum Glück hatte ich bisher keine Zeit, eine der 18 indischen Hauptsprachen oder gar der 1600 Nebensprachen und Dialekte zu lernen, denn auch die haben ihre Zeitungen. Damit entgeht mir bestimmt 80 Prozent von dem, was täglich in diesem Land geschrieben wird. Vielleicht sollte ich zwei Zeitungen weniger bestellen und stattdessen jeden Tag eine halbe Stunde Hindi lernen….

Kommentare (0) Kommentar schreiben
AKTUELLE BLOGEINTRÄGE