MOSKAU, Mittwoch, der 9. Februar 2011
Stefan Scholl

Erst zum Zoll, dann in den Schwangerschaftsurlaub

Russland, auch Russlands Bürokratie, ist durchaus fähig zur Selbstironie.

Im Internet kursiert seit kurzem ein Videoclip, in dem die Beamtenschaft des Wladiwostoker Hafenzolls demonstriert, was richtige Feierbiester sind. Zu den Klängen des Liedes „Columbia Pictures stellt sich nicht vor“ der russischen Popgruppe „BandEros“ besingen die Zollbeamten ihren Dienst, ihre Chefs und ihre Seelen.

http://www.youtube.com/watch?v=quUS4A8Imwk

„Columbia Pictures stellt sich nicht vor, wie das Volk beim Zoll ausflippt. Mögen die Gehälter klein, die Kleider nicht von Prado und von Gucchi sein, uns geht es fein. In grünen Uniformen stecken seriöse Onkelchen…“ Dabei fahren die Helden des Clips in einem metallicblauen Hammer-Jeep vor, tragen Pelze, Miniröcke, Sonnenbrillen oder Badman-Anzüge, veranstalten im Wartesaal der Zollstation eine wilde Tanzpartie. Der Chef der Abteilung, Rupinez, demonstriert sich im Rambo-Outfit, zückt ein Kampfmesser und rasiert damit seinen Dreitagebart. „Rupinez Sergej Iwanowitsch killt die Feinde“, singt seine Belegschaft im Chor. „Wir bringen ihm Volksliebe entgegen.“

Auch sein Stellvertreter Grankin wird gewürdigt: „Ob man Wein brennt oder viel schwatzt, wer zu Grankin kommt, landet nur im Schwangerschaftsurlaub!“ In einer späteren Sequenz feiern die Beamten schon in Uniform, Sekt sprudelt, eine Blondine tanzt auf dem Tisch, ein Offizier rutscht bäuchlings, die Schulterklappen vorneweg, übers Linoleum. Schließlich aalt sich ein halbnacktes Mädchen in Formblättern der Behörde. Und in einer hineinmontierten Szene des sowjetischen Filmklassikers „Weiße Sonne der Wüste“ verkündet ein Sowjetzöllner: „Du weißt doch Abdullah, ich bin nicht bestechlich!“

Schon seit einiger Zeit bieten russische Unterhaltungszentren Firmenbelegschaften die Organisation sehr professionell gedrehter Videoclips an. Aber meist machten bisher Privatunternehmen davon Gebrauch, keine Zollstationen. Die Blogerszene in Wladiwostok ist übrigens begeistert von dem Werk.

Nur die Leitung des Zollbezirks Wladiwostok findet all das nicht witzig. Sie hat eine Untersuchung gegen die Beteiligten eingeleitet.

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