SHANGHAI, Freitag, der 11. August 2006
Janis Vougioukas

Feuer im Transrapid – endlich Ehrlichkeit

Heute Nachmittag ist im Transrapid in Shanghai ein Feuer ausgebrochen. Kurz nach dem Verlassen der Station Longyang Lu Richtung Flughafen entwickelte sich Rauch im zweiten Wagen. Augenzeugen berichteten auch von Flammen. Verletzte gab es offenbar nicht.

Eigentlich nichts Großes. Aber sobald in deutschen Redaktionen das Wort "Transrapid" aus den Tickern purzelt, klingelt mein Telefon die ganze Nacht.

Ich wollte vorbereitet sein und habe sofort bei der chinesischen Betreiberfirma angerufen. Man kennt mich dort, denn alle zwei bis vier Wochen beantrage ich ein Interview mit dem inzwischen zum internationalen Medienstar aufgestiegenen chinesischen Transrapid-Chef Commander Wu. Jedes Mal bekomme ich die gleiche Absage: "Keine Zeit."

Unser Telefonat heute lief so:

„Was war denn da heute los mit dem Feuer?“

„Das sind ganz schlechte Nachrichten – für Deutschland und für China. Schreiben Sie über das Thema?“

„Ja, wahrscheinlich, ich muss noch mit meiner Zeitung sprechen.“

„Machen Sie das lieber nicht. Das ist ganz schlecht. Dann sehen Sie Commander Wu nie wieder.“

„Ach so! Heißt das etwa, wenn ich nichts schreibe, kriege ich das Interview endlich?“

„Nun ja, wahrscheinlich auch nicht…“

Endlich Ehrlichkeit. Ich werde weiter meine Antragsfaxe schicken, alle zwei bis vier Wochen. Schon aus Gewohnheit.

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