PARIS, Samstag, der 19. Juni 2010
Barbara Markert

Gehört so ein Satz auf den Titel?

In Frankreich gibt es extra ein Institut zur Wahrung der französischen Sprache, aber manchmal fragt man sich, zu was das noch gut ist, denn die Sprache scheint zu verkommen. Aktuelles Beispiel: Der Titel der wichtigen Sportszeitung L’Equipe, die mit einem Zitat von Nicolas Anelka, Profifußballer, aufmacht:

Zu deutsch, tja, man mag es kaum schreiben: “Leck Dich am Arsch, du dreckiger Hurensohn.” Diese Worte fielen zur Halbzeit des WM-Matches Frankreich-Mexiko in der Umkleidekabine. Trainer Rainer Domenech hatte es gewagt, den Fußballer von Chelsea zu kritisieren. Anelka wurde ausgewechselt, wie das Spiel ausging ist traurige Geschichte. Dass das Verhältnis zwischen den Spielern innerhalb der französischen Nationalelf nicht gut ist, war bekannt, aber dass in den Kabine solche Worte fallen, schockiert wohl selbst die größten Fußball-Fans.

Die Frage ist nun: Gehört das auf den Titel? Dass L’Equipe damit aufmacht, mag fast schon als investigativer Journalismus durchgehen, denn alle Radiosender hatten am heutigen Samstagmorgen davon berichtet, aber ihre großen Probleme, den Satz nochmals zu wiederholen. 

Man versteht nun, warum Rainer Domenech nach dem Spiel den Tränen nahe war. Die Niederlage allein kann der Grund nicht gewesen sein. Auch wenn mit einem solch peinlichen Spiel seine Karriere als Nationaltrainer endet. Weinte er um den Verfall der französischen Sprache? Um den Verfall der Sitten? 

Fast mag man es glauben, denn erinnern wir uns kurz, was Nicolas Sakorzy immer gerne mal von sich gibt: Im November 2005 bezeichnete das Staatsoberhaupt seine Mitbürger aus den ost-pariser Banlieues als “racailles”, also Gesindel, Gesocks. Das Wort ist inzwischen längst in die Alltagssprache eingegangen. Und wenig später auf der Landwirtschaftsmesse nannte er einen Besucher als “pauvre con”, als armen Depp. Nicolas (liegt es am Vornamen?) Anelka befindet sich also in bester Gesellschaft. 

Foto: Screenshot l’Equipe

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