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Hassliebe – Weihnachtsrituale in Kalifornien

 

 

Die Sonne scheint, Surfer warten auf die perfekte Welle und Palmblätter glitzern silbrig unter wolkenlosem Himmel. Alles wie immer im Süden Kaliforniens. Wäre da nicht die üppige Weihnachtsdekoration des Nachbarn, die unsere Küche seit Halloween jeden Abend in ein blinkendes Lichtermeer verwandelt. Peters Stromrechnung steigt jedes Jahr im November auf das Doppelte, doch das stört den begeisterten Hobby-Dekorateur nicht. Jedes Jahr hängen ein paar Lichterketten mehr an Dach, Treppengeländer und Fenstern. Die wahren Höhepunkte seiner Weihnachtsstimmungs-Kreationen hebt sich Peter für die Woche vor Heilig Abend auf: erst dann wird permanent Heissluft in einen Vier Meter hohen Schneemann im grünen Vorgarten geblasen und es dreht sich eine in Regenbogenfarben blinkende Rentier-Familie neben der Einfahrt. Peter ist nicht nur ein Weihnachts-Lichterketten-Deko-Enthusiast, er arbeitet auch furchtbar gerne am Computer. Ich wette, er arbeitet daran, seine Lichterkreationen mit dem von ihm geliebten Latino-Rap zu synchronisieren. Bald wird er uns mit einer ganz neuen Stufe von Lichter-Glück überraschen, den Verkehr im Viertel lahm legen und das Heimvideo seines Christmas-Lighting-Raps zu dem anderem Christmas-Deko-Wahnsinn ins Internet stellen. 

Ohne Peter würde sich hier gar nichts wie Weihnachten anfühlen. Musikberieselung und Schoko-Sonderangebote im Supermarkt reichen da nun wirklich nicht aus. Manchmal stöhne ich zwar über die seltsamen US-Weihnachts-Rituale, vom Tannen-kranz auf der Kühlerhaube bis zum unvermeidlichen, surfenden Santa Claus, aber im Grunde finde ich das alles ziemlich grossartig. Bis ich wieder in meiner gnadenlos blinkenden Lichterlandschaft in der Küche stehe. 

 

 

 

 

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