SYDNEY, Samstag, der 14. November 2009
Julica Jungehülsing

Ich will nicht deine Facebook-Freundin sein

“Nein, danke, ich will nicht deine Gesichtsbuchfreundin sein.” Bislang hat das einigermaßen geklappt. Okay, zwischen 6 Millionen australischen Nutzern dieser “sozialen Plattform” vereinsame ich natürlich langsam. Facebook-Feind zu sein, ist hier derzeit etwa so sozial kompatibel wie wenn man zu schimmligem Kürbiseintopf einlädt. Ebenso gut könnte ich sagen: Bugger off, ich will nie wieder in Gesellschaft Kaffee trinken, Geburtstag feiern, ins Kino, auf Parties, Politik diskutieren…

Da mir diese www-Seite aber aus etwa 20 bis 30 Gründen (die u.a. mit Privatsphäre zu tun haben und mit denen ich jetzt niemanden langweilen will) total suspekt ist, bleibe ich standhaft. Und freu mich insgeheim an den Vorteilen meiner gesichtslosen Existenz:  Mensch ohne ‘Profil’ zu sein, arm an twinkels und events, hat nämlich viele schöne Seiten: Ich muss weder die Fotos meiner Nachbarin beim Poledancing kommentieren, bleibe vor Unmengen von Blablabla verschont, und gestern habe ich die Einladung zum vierten “Baby-Shower” in diesem Jahr verpasst.

Noch kenne ich auch eine handvoll Leute, die Emails schreiben. Manche greifen sogar, wie in grauer Vorzeit, zum Telefonhörer wenn sie wissen / erzählen wollen wie’s so geht (statt zu signalisieren, man könne ja die “Facebook-Pinnwand” besuchen). Wie gesagt, mein Exil ist gut erträglich. Anders lautenden Warnungen zum Trotz habe ich auch nach wie vor Jobs. Neulich machte mir sogar ein NY Times Artikel Hoffnung, der unkte: der penetranten Seite gehen allmählich die Fans aus. Wow.

Allerdings geht meine plumpe Strategie (“Ich will da nicht rein”) nicht auf. Selbst als profillose und stadtbekannte FB-Hasserin spaziere ich durch das “soziale Netzwerk”, als sei ich Fan Nr 1: Party-Schnappschüsse, von denen ich nicht mal gemerkt habe, das sie gemacht wurden, Bilder beim Lifesaven am Strand, vom Pool, von Vorträgen, bei denen ich mich für die einzige mit Kamera gehalten hatte – ich bin bildreich präsent.

“Habe dich grade auf Facebook gesehen…”  ist Albtraumsatz meiner Montagnachmittage. Dann ruft mich Freundin Ch. an und berichtet die Ergebnisse ihrer büroalltäglichen, zweistündigen FB-Lektüre.

Die Krux ist: als nicht FB-Nutzer, kann man solche peinlichen Fotos weder löschen noch um deren Löschung bitten (sign on to be Andi’s Facebook friend first…) Wahrscheinlich werde ich mir bei Gelegenheit ein ‘Profil’ zulegen… nur um mich dann anderswo löschen zu können.

 

 

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