SHANGHAI, Montag, der 24. Juli 2006
Janis Vougioukas

Journalisten unerwünscht

Ich teile mein Büro mit der Korrespondentenkollegin Christina Boutrup, die für die dänische Zeitung Berlingske Tidende berichtet.

Christina will schon lange ihre Chinesischkenntnisse verbessern. Letzte Woche hat sie alle ihre guten Vorsätze zusammengenommen und sich bei der Jiaotong Universität, einer der führenden Unis in China, für einen Sprachkurs angemeldet.

Doch am nächsten Tag kam die Ablehnung. Begründung: Ausländische Journalisten dürfen keine normalen Sprachkurse besuchen.

Die Regierung würde ausländische Journalisten am Liebsten völlig von der chinesischen Alltagswelt verbannen. Als ich vor sechs Jahren zum ersten Mal nach Peking kam, mussten wir noch in speziellen „Diplomatencompounds“ wohnen. Das waren hässliche Betonbunker im Stil sowjetischer Gefängnisarchitektur. Dort klickte es ständig in den Telefonleitungen und die bewaffneten Uniformierten haben selbst den Pizzaboten den Zutritt verweigert.

Inlandsreisen und Interviews müssen nach den Richtlinien für ausländische Korrespondenten bei den Überwachungsbehörden angemeldet werden.

Früher hieß es, die Vorschriften seien zu unserem Schutz. Das wir keine normalen Sprachkurse besuchen dürfen ist neu. Offenbar ist auch das nun „zu gefährlich“.

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