MüNCHEN, Mittwoch, der 21. Oktober 2009
Martin Zöller

Kalt! Kalt! Kalt! Kalt! Kalt! Kalt! Und das in Rom!

So ähnlich stelle ich mir eine Nacht im Iglo vor: Unter dem Eisbärenfell ist es schön warm, nur die Luft ist eiskalt. Nur leider mache ich diese Erfahrung nicht auf einer Expedition durch die Arktis, sondern in meiner bescheidenen zwei Zimmer-Wohnung in Rom – einer Stadt, in der alle immer einmal leben wollen bis sie hier einmal gelebt haben. Dass ich nicht lache, “dolce vita”!

Denn jetzt kann ich wieder einen Monat frieren: Vor ein paar Tagen gab es einen Temperatursturz von fast 20 Grad, seitdem hält sich konstant eine Zimmertemperatur von 16,5 Grad in meiner Wohnung. Ändern daran kann ich nur etwas, wenn ich mich föhne oder den Radiator anstelle, der aber so viel Strom verbraucht, dass sich die Zahlen beim Stromzähler so schnell drehen, wie die Zapfanzeige an der Tankstelle.

Meine drei offiziellen, festinstallierten Heizkörper lehnen derweil nur dumm an der Wand: In Rom darf per Gesetz erst ab 15. November geheizt werden. Und: Auch dann darf nur maximal 12 Stunden geheizt werden. Übertreten kann man das Gesetz gar nicht, denn allein der Hausverwalter schaltet die Heizung an – und vor allem aus. Wirklich toll: Ich zahle zwar jeden Monat 50 Euro an die Hausverwaltung, aber dafür kann ich dann fünf Monate frieren. Übrigens: Das tolle Gesetz, welches regelt, wann in welcher Region Italiens geheizt werden darf, ist die „Legge 412/93″. In Kraft getreten ist es am 26.8.1993, an einem sicherlich heißen Sommertag.

Rückblickend muss ich sagen: Schade, dass die Römer die Karthager dann doch irgendwann besiegt haben. Denn hätte damals Hannibal Rom eingedampft, dann wäre Karthago die Herrin des Mittelmeers geworden. Dann wären Petrus und Paulus nach Karthago gegangen, dann wäre dort der Papst. Und dann würde ich dort leben –  im warmen Nordafrika. Stattdessen muss ich jetzt wieder den ganzen Winter frieren.

Unglaublich finde ich, dass die Römer es akzeptieren, im Winter zu bibbern. Es ist mir ein Rätsel, wie Menschen, die sich von März bis Oktober im T-Shirt bewegen, akzeptieren können, in den Monaten dazwischen zu frieren wie Schnittlauch im Gefrierfach. Einen gemütlichen Fernsehabend macht man im Moment bei etwa 15,5 Grad.

Nun werde ich den Winter mit meinem besten Freund überbrücken. Er ist schweigsam, sehr klein aber verbreitet stets ein wunderbares Klima. Es ist mein Heizlüfter, er heißt „Super Calor“, von mir liebevoll „Carlo“ genannt. Im Winter verbringen wir jeden Abend zusammen. Den Sommer über lebt er im Schrank mit meinen anderen besten Freunden: Der langen Unterhose, dem Thermo-T-Shirt und dem Flanellschlafanzug.

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