KöLN, Samstag, der 17. November 2007
Alois Berger

Kauf mir einen Jet, Andrè

Es geht wieder um André Flahout. Das ist der belgische Verteidigungsminister, der vor einiger Zeit mit dem Kampf-Hubschrauber ins Kino nach Hasselt geflogen ist. Als das rauskam, gabs ein bisschen Wind, aber geschadet hat es ihm nicht wirklich. Flahout ist einer von diesen saftigen Politikern, wie sie heute gar nicht mehr hergestellt werden. Franz-Josef Strauß fällt einem in dem Zusammenhang ein. Und obwohl Flahout als belgischer Sozialist das andere Ende des politischen Spektrums besetzt, gibt es doch Parallelen. Die Körperform zum Beispiel, vor allem die Halspartie, aber auch die Abneigung gegen politische Prinzipien oder die tiefe Verwurzelung in einer Volkspartei, die ihren verdienten Kämpfern fast alles verzeiht. Und natürlich die Lust am Fliegen. Diesmal ist André in den Kongo geflogen, mit dem Regierungsflieger und ohne Absprache mit dem jetzt sehr aufgebrachten Außenminister. „Kabila wollte mit mir reden,“ verteidigt sich Flahout. Außerdem solle sich der Außenminister nicht so weit aus dem Fenster lehnen, sonst packe er aus und erzähle zum Beispiel, wie der ihn ständig um ein schöneres Flugzeug angefleht habe: “André, kauf mir einen Jet,“ habe er gebettelt, so einen schicken Legacy mit allem Komfort. „Der wollte so ein Chirac-Ding.“ Die alten Militärmaschinen seien ihm offensichtlich nicht gut genug und zu unbequem. In der Tat müssen belgische Premier- und sonstige Minister selbst 20stündige Flüge im Sitzen verbringen, seit die Regierungs-Boeing vor einigen Jahren mitsamt der Liegecouch ausgebrannt ist. Doch die belgische Flugbereitschaft hat kein Geld, André Flahout hat das Budget ohnehin schon um 160 Millionen überzogen. Streng dienstlich, versichert er, in acht Jahren habe er nur einmal die Familie mitgenommen, „im Gegensatz zu anderen Ministern.“ Der kleine Rundumschlag wird ohne Folgen bleiben. Flahouts Zeit ist ohnehin abgelaufen. Seine Sozialistische Partei wurde schon im Juni abgewählt, schon der Kongoausflug fiel in die Nachspielzeit. Aber solange sich die christdemokratischen und die liberalen Wahlsieger nicht auf ein Regierungsprogramm einigen können, bleibt Flahout Minister und kann noch ein bisschen herumfliegen.

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