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Kekse für meine Spione

 

Wer als Journalist in China arbeitet, wird regelmäßig dezent vom Staat daran erinnert, dass man hier nie wirklich alleine ist – irgendjemand hört immer zu, schaut zu, guckt rein, weiß Bescheid.

Vor ein paar Tagen schickte der Shanghaier Foreign Correspondent’s Club eine Warnmail an seine Mitglieder. Etliche ausländische Medien hatten gleichzeitig verdächtige E-Mails erhalten, die zunächst wie Anfragen aus dem heimischen Hauptquartier aussahen. In der angehängten PDF-Datei war ein kleines Java-Programm eingebettet.

Niemand hat bisher rausgefunden, was der Trojaner macht. Genauso unbekannt ist, wer hinter der Attacke steckt. War das der „chinesische Bundestrojaner“? Patriotische chinesische Hacker? Sicher ist nur, dass solche Cyberattacken in den letzten Monaten zugenommen haben. Mit der Digitalisierung  ist die chinesische Stasi deutlich unsympathischer geworden.

Als ich 2000 in Peking studierte, haben wir uns noch über die Bespitzelung totgelacht. Damals bezahlte die Uni unsere chinesischen Mitstundenten, um unsere Telefongespräche abzuhören und zu übersetzten.

In meiner ersten China-Woche saß ich beim meinem Freund Robert, als das Telefon klingelte. „Du hast Post“, sagte der Anrufer, „ein Paket von deiner Mutter.“ Robert freute sich natürlich. Und wahrscheinlich wollte der Herr von der Campusverwaltung seine Vorfreude auch nur noch etwas weiter anstacheln. Er sagte: „Es sind Kekse drin.“ – „Oh“, sagte Robert, „danke für die Information“.  Jedes Paket wurde geöffnet und überprüft. Und wenn Kekse aus dem Ausland drin waren, konnte die Spione manchmal nicht widerstehen, auch davon zu probieren.  

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