SYDNEY, Freitag, der 4. August 2006
Julica Jungehülsing

Larry und die Bananen sind Schuld, an allem.

15 $, genauer: 14 Australische Dollar und 99 Cent kosteten die Bananen gestern in meinem Supermarkt, das gleiche beim Gemüsehöker. 15 $ sind 9 Euro. Und Schuld ist Larry. Larry war der Hurricane, der im März 85 % der Bananenstauden in Queensland vermichtet hat. Und so lange die eben nicht nachgewachsen sind (das dauert 9 Monate, wie für Nachwuchs üblich) sind Bananen teurer als kalifornische Kirschen. Denn Bananen einführen ist verboten. Vor allem weil die Regierung Angst hat, irgendwelche feindfreien Schädlinge könnten gleich mit importiert werden. Also leidet Australien Entzug.

Angeblich essen wir hier 15 Millionen Bananen pro Woche, das war natürlich vor Larry. Als Paul beim Schwimmtraining Dienstag tatsächlich eine dieser 3-Dollar-Stangen aus dem Rucksack zog, starrten ihn alle an, als hätte er in der Eckkneipe Champagner bestellt. Das war die erste geschälte Banane, die ich seit Monaten gesehen habe. Unter uns: Mir ist es Wurst, ich ess auch gern mal Äpfel und Mangos und Birnen und Kiwis. Rundum allerdings nimmt das Gejammer kuriose Formen an. Der Sydney Morning Herald titelte am Wochenende: "Economy slips on banana skin" (Writschaft rutscht auf Bananenschale aus).

Larry, sorry: die Bananen-Preise, so hieß es, seien nebst steigender Benzinpreise Grund für das Elfjahreshoch der Inflationsrate (4 Prozent). Bananen und Benzin sind schuld. Kein Scherz. Sagt die erste Seite der größten Zeitung. Australiens satte Wirtschaft auf dem Weg in die Krise – dank Larry! Mangels Bananen, jawoll.Ps: Paul hat Dienstag eine Rekordzeit geschwommen, 24.2 sec auf 50 M. Wahnsinn. Die Kiwis haben natürlich Samstag im Rugby gewonnen. Überrascht? Ich nicht…

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