JOGJAKARTA, Montag, der 26. Juli 2010
Christina Schott

Neuer Job für Paul

Die meisten Indonesier sind abergläubisch und fast alle sind fußballverrückt. Der wahrsagende Tintenfisch Paul aus Oberhausen wurde daher im Inselstaat auf der anderen Seite der Welt zur willkommenen Sensation: Am Ende der Fußball-WM verging keine indonesische Nachrichtensendung ohne eine Meldung über „Gurita Paul“.

Doch während sich der Fußballrausch in Indonesien allmählich wieder gelegt hat, saugt sich der achtarmige Wahrsager weiterhin hartnäckig in den hiesigen Medien fest. Auf diversen Websites wird diskutiert, ob Paulchens Vorhersagen ausreichten, um auch politische oder religiöse Führer zu ersetzen.

Am vergangenen Samstag zeichnete der Karikaturist der englischsprachigen Tageszeitung „The Jakarta Post“ Paul zum Beispiel als Schiedsrichter in einem aktuellen Steuerhinterziehungsfall: Auf der Zeichnung verschwinden der korrupte Finanzbeamte Gayus sowie ein der Unterschlagung beschuldigter Polizeibeamter als gierige Kraken hinter Gittern, während die International Corruption Watch verwundert zusieht.

Beliebt ist auch der Vergleich mit „Gurita Cikeas“ – also dem Kraken von Cikeas: Dieser Ausdruck stammt aus einem populären Buch über die angebliche Vetternwirtschaft unter dem indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono, der in Jakartas Vorort Cikeas residiert.

Die Botschaft an den Tintenfisch: Wenn die Deutschen Paulchen tatsächlich schon in Rente schicken wollen – in Indonesien gibt es noch viel für ihn zu tun!

 

Kommentare (0) Kommentar schreiben
AKTUELLE BLOGEINTRÄGE