MüNCHEN, Dienstag, der 24. April 2012
Christine Mattauch

New Yorker Frühling

Flip-Flops im April? Das ist krass, selbst für New York. Aber nicht in diesem Jahr. Schon Ostern liefen hier viele Leute in Sommerkleidung herum – Shorts oder Minirock, kurzärmliges T-Shirt. Und zeigten eben Flip Flops, die hier so selbstverständlich auf der Straße getragen werden wie in Deutschland in der Badeanstalt. Okay, tatsächlich stand das Thermometer für ein oder zwei Tage auf 29 Grad. Ansonsten war es sonnig, aber kühl. Ich fand es kalt. Zog Übergangsjacke an und Lederstiefel.

Trotzdem ist der Frühling in diesem Jahr unzweifelhaft früh dran. Zu früh! Der Dogwood-Baum vor unserer Haustür blüht einen geschlagenen Monat eher als üblich. Ich traute meinen Augen kaum, als ich vergangene Woche Eastern Carpenter Bees im Hinterhof herumfliegen sah – Riesenbienen, die aussehen wie große Hummeln. Nach meiner Erinnerung lassen sie sich sonst frühestens Ende Mai blicken. Und als ich bei Facebook mein Profilbild austauschte, auf dem ich samt Pflanzen auf dem Treppenabsatz zu sehen bin, fragte ein deutscher Freund und Kollege entgeistert, ob ich wirklich schon den Oleander rausgestellt hätte. Ja, habe ich.

Bei den japanischstämmigen New Yorkern gerät der Terminplan aus dem Ruder, weil die Kirschblüte viel zu früh begonnen hat, mindestens zwei Wochen. Dabei ist Hanami, das Fest zur Feier der Kirschblüte, ein wichtiger Anlass. Man trifft sich mit Freunden und Verwandten im Brooklyn Botanical Garden und fotografiert sich gegenseitig vor den wunderschönen Blüten. Die Fotos auf dieser Seite entstanden bereits Mitte April, aber das offizielle Sakura Matsuri Festival ist auf Ende April terminiert. Da werden die meisten Bäume bereits verblüht sein.

Dieses Wochenende hat das Thermometer einen Satz nach unten gemacht. Es herrschen 11 bis 12 Grad Celsius und es regnet. Die Carpenter Bees haben sich verkrochen und unser Vermieter hat die Heizung aufgedreht. Allerdings tragen, wie man in der U-Bahn sieht, ein paar Hartgesottene weiterhin Flipflops. Sie haben einen unschlagbaren Vorteil: Sie sind billig. Und sehr viele New Yorker sind arm.

Fotos: Nikolaus Piper (1), Christine Mattauch (3)

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