PEKING, Mittwoch, der 18. November 2009
Ruth Kirchner

Obama für alle

 

Jetzt ist er also wieder weg. Barack Obama. Zweieinhalb Tage China, jetzt ab nach Südkorea. „Was, hast du ihn wirklich gesehen`?“ Ungläubig schaute mich heute Vormittag einer der jungen Klamottenhändler auf dem Fake-Markt an.  „Ehrlich?“ Die Chinesen mögen den US-Präsidenten. So lässig ist hier nämlich kein Politiker. Nie.

Auf dem Markt wollte ich eigentlich nur schnell ein „Oba Mao“-T-shirt kaufen. Eines, das  Obama mit chinesischer Armeemütze zeigt. Und den Mao-Worten: “Dem Volke Dienen”.

Aber die Händler sind offenbar angewiesen worden, die despektierlichen Bekleidungsstücke nicht mehr anzubieten. Zumindest nicht jetzt. Also muß ich noch ein paar Tage warten. Dann ist Obama in weiter Ferne und die T-shirts sicher wieder in den Shops.

Ich zeige dem Händler das Foto, das ich gestern mit der Handy-Kamera gemacht habe. Obama bei der Pressekonferenz in der Großen Halle des Volkes. Hunderte von Journalisten. Irgendwo ganz weit weg der Präsident. Aber, ich habe ihn gesehen. In echt. Das zählt. „Toll!“, sagt der Händler.

In China, wo Politikern jegliches Charisma abgeht, hätte man auch gerne mehr Obama. Er ist cool. Und natürlich „shuai ge“, gutaussehend.

Doch ausser bei der steifen Pressekonferenz  gab es nur wenig echten Obama zu sehen. Und eine PK war es ja eigentlich gar nicht. Mehrfach waren wir vorher  ermahnt worden, auch ja keine Fragen zu stellen. Hu Jintao stand ja auch auf der Bühne und starrte ausdruckslos ins Publikum. Er mag sichtlich keine Fragen.

 

Den „echten“, lockeren Obama bekamen die meisten Chinesen erst gar  nicht zu sehen. Sein „town hall meeting“ mit Studenten in Schanghai wurde auf den landesweiten Fernsehsendern nicht gezeigt. Xinhua wollte erst live online übertragen und tat es dann doch nicht. Welcher Chinese wusste schon, dass man sich das Ganze auf der Website des Weißen Hauses hätte ansehen können? Und überhaupt, die Hälfte der handverlesenen Studenten waren Mitglieder der Kommunistischen Jugendliga, schreibt die New York Times. Vier Tage lang seien die Studenten auf die Begegnung mit Obama eingeschworen worden. Keine Fragen zu Tibet oder den Menschenrechten, hieß die Vorgabe. Und bitte, schön höflich bleiben. Genauso langweilig waren dann auch die meisten Fragen. „Town hall meetings“ oder Bürgerversammlungen sind anders. Lauter und unordentlicher.

Aber dennoch. Obama was here. Jetzt bleiben uns nur wieder die blutleeren Topkader der KP. Schade eigentlich.

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