BERLIN, Montag, der 5. April 2010
Clemens Bomsdorf

Pfannkuchen versüßen die Krise

Sich schnell auf geänderte Situationen einstellen zu können, ist eine der großen Qualitäten der Menschen auf Island. Früher, als noch fast jeder Fischer war (und das ist gar nicht so lange her), galt es schnell zu handeln, wenn das Wetter gerade richtig war, um auf Fang zu fahren. Daher rühre die Flexibilität, heißt es.

Etliche Isländer haben aufgrund der Krise ihr Konsumverhalten anpassen müssen. Die weiterhin stets gut gefüllten Bars erwecken nicht den Eindruck, als habe das beim Verzehr von Alkohol wirklich geklappt. Bei etlichen Dingen sieht es aber anders aus. Wegen des Verfalls der Krone werden Importe wo möglich durch auf Island produziertes ersetzt – Islandpullover kommen plötzlich auch außerhalb linksalternativ angehauchter deutscher Pädagogenkreise wieder in Mode und statt Basmatireis gibt es nicht nur auf Bauernhöfen Kartoffeln. Sparen muss ja nicht heißen, dass es sich wirklich schlecht lebt.

In den Cafés ist derzeit der Pfannkuchen wieder hoch im Kurs – ein Gebäck, dass es außerhalb des Kindergeburtstages in der jüngeren Vergangenheit nur selten zu sehen gab. Doch der Pfannkuchen ist leicht produziert und entsprechend preiswert: nur 100 Isländische Kronen pro Stück – keine 60 Cent! So lässt sich mit einfachen Mitteln die Krise versüßen. Warum auf Cantuccini zurück greifen? Weniger ausgeben, muss eben nicht immer heißen, wirklich verzichten zu müssen.

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