SYDNEY, Donnerstag, der 11. Februar 2010
Julica Jungehülsing

Prost Neujahr! Tiger ohne Schiffbruch

Da ist es also fast: das Jahr des Tigers, und wie in meiner Wahlheimat üblich wird es RIESIG. Wir haben in Australien nämlich Superlative gern, größte Spinnen, giftigste Schlangen, längste gerade Bahnstrecken etc. Also, there we go: “Die g r ö ß t e n chinesischen Neujahrsfestivitäten außerhalb von Asien” feiert Sydney ab morgen, und wenn das Clover Moore, unsere Bürgermeisterin sagt, dann wird das wohl so stimmen. Ich hab mich immer gefragt, wie man derlei misst, zumal die Neujahrsfeierei zur Begrüßung des Tigers keine Veranstaltung mit Kartenverkauf und Drehkreuz ist, sondern eher eine Serie von Ereignissen und Möglichkeiten zu staunen und/oder Geld auszugeben. Das ganze dauert bis 28. Februar und es kommen auch echte Chinesen aus China: 300 “performer” aus Chongqing City zum Beispiel. Und dann sind natürlich unsere hiesigen chinesisch stämmigen Australier sowie ortsansässige Vietnamesen und Koreaner geladen. Groß und viel eben, größer geht’s nimmer.

Nebenbei macht sich Sydney im Jahr des Tigers um das Wohlergehen der Großkatze Sorgen: Laut World Wildlife Fund gibt es nämliche nur noch 3500 wilde Tiger, Tendenz rapide schwindend. Und das ist ja nun mal keine gute Sache. Wer also im Jahr des Tigers wilden Tigern Gutes tun will, so animiert Clover Moore, soll bitte einen Bengalischen Tiger adoptieren. Also nicht richtig echt jetzt, das gäb dann mit der Quarantäne wieder Ärger und mit der hiesigen Fauna auch. Eben mehr so ideell adoptieren. Kostet um die 60 Euro, first come, first serve-Basis. Besuchsrechte werden glaube ich nicht gewährt. Aber wie gesagt: es sind nicht mehr viele da, und ich bin überzeugt, dass die Sydneysider zum größten Neujahrsfest auch die meisten Tiger adoptieren.

Ps: aber nicht traurig sein, falls nachher keine Tiger mehr frei sind, man kann via wwf auch prima Orang Utans oder Schildkröten adoptieren. Denen gehts schließlich auch nicht so blendend.

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