PARIS, Montag, der 6. August 2007
Barbara Markert

Radl-Notstand

"Stimmt es, die Dinger sind unauffindbar?" Auf die Frage des Motorrad-Typen neben mir nicke ich nur. Ich stehe an der Straße wie bestellt und nicht abgeholt. Mein eigenes Fahrrad in der einen Hand, ein Velib (www.velib.paris.fr) in der anderen. Ich warte. Auf meinen Freund, für den ich das Velib gemietet habe und der nun – per Handy über meinen Aufenthaltsort informiert – zu mir rennt. Fünf Stationen bin ich abgeradelt, um das letzte Leihfahrrad im Viertel zu mieten. Sieg! Der hinter mir hatte Pech.

Bereits zwei Wochen nach dem fulminanten Start ist das neue Leihfahrrad-System in Paris das Opfer seines eigenen Erfolgs. An der Seine herrscht Radl-Notstand. Wer bei schönem Wetter noch ein Velib will, muss früh aufstehen. Gestern zum Beispiel, am zweiten schönen Wochenende überhaupt in diesem Sommer in Paris, hieß es: Rien ne va plus. Kein Velib weit und breit. Und die, die eines ergattert hatten, gaben es nicht mehr her.

Normalerweise werden Velibs nach einer kurzen Fahrt innerhalb einer halben, kostenlosen Stunde wieder an eine Station angeschlossen und sind dann frei für einen neuen Mieter. Bei 30 Grad im Schatten jedoch hört die Mitmenschlichkeit auf. Sollen doch die anderen laufen. Dass ein Velib nach der dritten halben Stunde 4 Euro pro 30 min. kostet, juckte niemanden mehr. Auch uns nicht. Wer bitte, will bei dem Wetter schon die Metro nehmen. Heute übrigens regnet es seit den Morgenstunden. An den Velibstationen stehen die Räder und warten. Auf die Sonne und die Mieter.

 

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