HANNOVER, Sonntag, der 6. Juni 2010
Alexander Budde

Schiffbruch unter stolzer Flagge

 

Per Edström am Wrack: Im letzten Herbst ist ihm seine „Pamela“ gekentert.  „Schon seltsam, dass Boote schneller rosten als Menschen“, bemerkt der 81-jährige Theatermacher lakonisch. „Selbst bin ich noch nicht ganz so weit.“ In den guten alten Zeiten waren Edström und seine Kumpane von der „Republikanischen Segelvereinigung“  ein Schrecken der Meere. Sie hielten es schlicht für unwürdig, dass man im schwedischen Musterland den Posten des Staatsoberhaupts vererbt.

 

 

 

 

 

„Die Initiation bestand darin, im feinen Clubhaus der Königlichen Segelgesellschaft auf Sandhamn eine Mütze zu stehlen und das Wappen mit der Königskrone herauszuschneiden“, erinnert sich Edström. Bei republikanischen Regatten wurde so manche Königspuppe guillotiniert. Stets versank das edle Haupt unrettbar tief in dunklen Fluten.

Im Freihafen der Piraten auf der idyllischen lnsel Värmdö in den Stockholmer Schären stapeln sich Oldtimer, Skulpturen, ausgediente Kulissen und rostige Maschinenteile in byzantinischer Fülle. Doch nach einem halben Jahrhundert des vergeblichen Widerstands fühlen die Kämpen von einst kaum noch Wind in den Segeln. „Auch Republikaner können aussterben“, philosophiert Edström über den royalen Klimawandel. Fraglich, ob die gebrechliche Crew noch in der Lage ist, ihr Mutterschiff zu bergen. Dabei war „Pamela“ einst die Königin der Meere, behauptet der betagte Skipper. „Der norwegische Entdecker Fritjof Nansen schipperte mit ihr nach Grönland. Dann ging es einmal um die Welt, 20 Jahre lag sie vor Bali. Und kehrte dann in nordische Gewässer zurück, wo ich sie vor vielen Jahren gekauft habe. Leider habe ich dieses Erbe nicht besser verwaltet.“

 

 

Der Kiel schlug um, das Schiff lief voll. Und nun liegt es ein Fußbreit unter Wasser. Doch Edström hat noch Träume. Bis zur Hochzeit der Kronprinzessin Victoria mit ihrem Fitnesstrainer Daniel bleiben ein paar Tage. Seine “‘Pamela” will er heben. Und Kurs setzen auf das königliche Schloss und auf die Festgemeinde. „Ein wenig Pumpen, ein wenig Ziehen. Dann taucht sie wieder auf – mit unserer stolzen Flagge im Mast.“

Kommentare (0) Kommentar schreiben
AKTUELLE BLOGEINTRÄGE