MüNCHEN, Freitag, der 7. Januar 2011
Martin Zöller

Sconto, aber pronto! In Rom lerne ich, zu feilschen

Ich habe etwas anstrengende Tage hinter mir, aber daran bin ich ja selber schuld. Ich habe mir nämlich vorgenommen, an drei Tagen hintereinander bei jeder Gelegenheit, bei der ich in Rom etwas kaufe, nach einem „Sconto“ zu fragen – nach einem Rabatt. 

Denn kurz vor Weihnachten habe ich staunend erlebt, wie selbstverständlich mein römischer Freund Saverio bei Weihnachtseinkäufen handelte – selbst einen Bürokalender für 4 Euro 90 handelte er auf 4 Euro runter.  „Du musst mit dem Verkäufer scherzen und ein persönliches Verhältnis aufbauen“, erklärte er, „du musst „amicizia machen“ – „Freundschaft schließen“. So funktioniere das in Rom. Alle machten das. Aha.  

Tag 1: Ich nahm mir als erstes vor, in meinem Supermarkt, dem „Simply“, Freundschaft mit der Kassiererin zu schließen – der Versuch scheiterte. Wie soll es auch gehen, wenn schon das „Wie geht’s?“ vom ständigen Biep-Biep des Scanners unterbrochen wird? Trotzdem hatte ich das Gefühl, überdurchschnittlich freundlich gewesen zu sein und fragte, als die letzte Tomatendose drübergezogen war, nach zwei Plastiktüten „in omaggio“, „gratis“ – ich wurde komisch angeschaut, aber bekam immerhin eine. „Im Supermarkt ist kein Platz für Freundschaft“, dachte ich. 

Tag 2: So ging ich zu den kleinen Läden im Viertel, bei denen ich viel zu selten einkaufe. „Freundschaft schließen!“, nahm ich mir beim Metzger vor und betrat den Laden: „Ciao“, machte er, „ciao“, sagte ich, und dass ich drei Schweinekoteletts bräuchte. Er begann zu hacken. „Wie jetzt Freundschaft schließen?“, dachte ich, sah mich um Fotos an der Wand: „Ah, Du bist auch Fan der AS Roma?“ Es folgte ein reger Gedankenaustausch über den Fußball und ich zahlte schließlich nur  – „ich mach Dir einen sconto“  – 12 Euro statt 13 Euro 10 (Zugegeben: Ich habe mir noch eine Wildschweinsalami aufschwätzen lassen, das wäre im Supermarkt nicht passiert). Nebenan, beim Obst- und Gemüseladen  bat ich nach einem Lob der „besten Mandarinen der Stadt“ um einen Bund Basilikum und bekam ihn kostenlos – „per te“, „für Dich“. Und selbst in einem Modegeschäft kaufte ich eine Jacke statt für 149 Euro für 130 Euro. 

Tag 3: Gestern nun habe ich mich getraut, sehr viel sconto zu verlangen. Ich habe meinem Vermieter eine Mail geschrieben, dass ich weniger Miete zahlen will und habe 700 statt 850 Euro vorgeschlagen. Wirklich, er hat mir schon geantwortet: „Ci possiamo parlare“ – „wir können drüber reden“. Am gleichen Tag steckte ich auch eine Niederlage ein: Ich musste dem Busticket-Verkäufer handeln, ich hatte es schließlich gelobt. Er lehnte es aber trotz meines „Wie geht’s?“ aber ab, mir fünf Tickets statt für fünf Euro für 4 Euro 50 zu verkaufen. Das war ein bisschen peinlich. 

Ich bin jetzt nicht mehr zu bremsen, ich schließe Freundschaft mit jedem, und wenn dabei ein Sconto rauskommt, umso besser. Nur das Problem mit den zusätzlichen Einkäufen („komm, nimm noch die fantastische Salami!“) muss ich noch in den Griff kriegen. Mein nächstes Ziel ist: Ich will, so wie die echten Römer, in jedem Laden mit „Ciao Carissimo“ („Hallo, Liebster!“) begrüßt und mit „Salutami la tua famiglia – („Grüße an die ganze Familie!“) verabschiedet werden. Sobald mir das gelingt, bin ich wirklich ein Römer.

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