KöLN, Freitag, der 11. Juli 2008
Alois Berger

Togo in Brüssel

Seit einem Jahr verbringe ich meine Samstage auf den Straßen von Brüssel und Flandern. So im Umkreis von 20 Kilometern. Wenn Sie jetzt auf Radfahren tippen, liegen Sie völlig falsch. Wir sind mit dem Auto unterwegs. Stundenlang. Unsere wöchentliche Herausforderung besteht darin,  Sportplätze zu finden. Die Adressen, die unser Sohn von seinem Verein für die Auswärtsspiele bekommt. sind zwar sehr detailliert, helfen aber bestenfalls bis zur Ortseinfahrt.Belgische Fußballclubs scheinen es darauf anzulegen, die Gegner schon vor dem Spiel zu narren. Vielleicht wollen sie den Heimvorteil ausbauen. Jedenfalls gibt es immer wieder Mannschaften, die zu spät oder unvollständig eintreffen. In Uccle sind beim letzten Mal zwei Spieler und auch der Schüler-Trainer nie angekommen. Die angegebene Straße gibt es zwar tatsächlich, aber sie ist sieben Kilometer lang und der Platz liegt hinter den Häusern versteckt in einem Waldstück. Der Platzwart von Uccle war sichtlich überrascht, dass überhaupt jemand hingefunden hat: „Eigentlich verfahren sich hier alle.“ Auf die Idee, ein Schild aufzustellen oder die Wegbeschreibung zu verfeinern, kam trotzdem keiner:  „Hier kann man doch jeden fragen, wo unser Sportplatz ist.“ Sollte man aber nicht auf französisch machen, das mögen die Flamen nicht und schicken einen dann gern in die falsche Richtung. Ein Bekannter hat sich nur für die Rettung seiner Samstage ein GPS angeschafft. Half letzten Samstag aber auch nichts, weil es rund um Brüssel ungefähr 27 Brüsselse Steenwege gibt, an denen mindestens 54 Fussballplätze liegen und der KV Eizer leider nicht übermittelt, auf welchem er seine Heimspiele austrägt. Eine junge Belgierin hat mir kürzlich erzählt, dass sie in Togo in Afrika aufgewachsen ist und dass dort nur die geteerten Straßen Namen haben, die anderen nicht. Wer an einer ungeteerten Straße wohnt, muss seine Briefe bei der Post und seine Besucher bei der nächsten geteerten Kreuzung abholen. Am Samstag werde ich vorschlagen, dass belgische Fussballclubs einen ähnlichen Abholservice einrichten sollten. Aber die würden wahrscheinlich lieber den Sportplatz teeren, damit er auf der Karte einen eigenen Namen bekommt. 

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