BERLIN, Freitag, der 6. August 2010
Ruth Kinet

Ultra-Orthodoxe feiern Abschiebung von “Fremdarbeiter”-Kindern

 

Weite Teile der ultra-orthodoxen Community feiern in diesen Tagen die Abschiebung von 400 Kindern so genannter Fremdarbeiter als „Schritt in die richtige Richtung“. Die drei Zeitungen der nationalreligiösen Allianz in der Knesset, Vereinigtes Torah Judentum, sind erleichtert darüber, dass der „jüdische Charakter Israels“ nicht länger von Fremdarbeiter-Kindern in Gefahr gebracht wird.

In einem Leitartikel der Zeitung „Hamevaser“ heißt es: „Die Geschichte lehrt uns, dass ausländische Elemente, die in Länder kommen, die ihnen Arbeit anbieten, dazu vorherbestimmt sind, entweder das Land zu zerstören, das sie aufnimmt, oder es zu übernehmen“. Die „hunderttausenden christlichen, buddhistischen, muslimischen und hinduistischen Fremdarbeiter (zusammen mit hunderttausenden nicht-jüdischen Immigranten)“ seien eine Gefahr für den „jüdischen Charakter“ des Staates.  Die Kritiker der Abschiebungen bezichtigt das Blatt eines „abgrundtiefen Hasses gegen das Judentum“. Das habe sich in der Vergangenheit vor allem an den politischen Entscheidungen zur „nicht halachischen Konversion, dem Rückkehrrecht und der jüdischen Identität“ gezeigt. Nicht nur die so genannten Fremdarbeiter also, nein, sämtliche säkulare Zionisten, werden als Feinde der Orthodoxie, ja des Judentums insgesamt betrachtet.

Die Zeitung “Yated” schreibt, es gebe „für gewöhnlich eine Entsprechung zwischen diesen sympathischen Leuten“, die sich gegen eine Abschiebung aussprächen, „und denen, die den Hungertod von Haredi-Kindern“ (ultra-orthodoxen Kindern) förderten.

In der Zeitung “Hamodia” schließlich werden die Kritiker der Abschiebungen als „Demagogen“ tituliert. Aufgrund der Haltung dieser Leute würde Israel künftig nicht mehr als jüdischer Staat betrachtet werden können, sondern als Land „mit vereinzelten religiösen Inseln“. Die zionistische Bewegung sei von einem „Stein überrollt und ohne Sarg beerdigt“ worden, heißt es weiter. „Sogar der wahnhafteste Zionist hätte sich nie träumen lassen, dass Sudanesen, Russen, Thailänder, Ukrainer, Etritreer und Rumänen die israelische Staatsbürgerschaft erhalten.“

Netanjahus Kabinett hatte Anfang der Woche mit großer Mehrheit dafür gestimmt, 400 von insgesamt 1200 Kindern, die mit ihren Eltern um der Arbeit willen nach Israel eingewandert sind, innerhalb der nächsten drei Wochen abzuschieben. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu begründete die Entscheidung damit, er wolle keinen Anreiz dafür schaffen, dass hunderttausende Arbeitsmigranten ins Land kämen. 

Die Hetze von in Israel lebenden ultra-orthodoxen Juden gegen alles “Un-Orthodoxe” und “Nicht-Jüdische” wird immer hemmungsloser. Die Kluft zwischen säkularen und religiösen Juden wächst.

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