JOGJAKARTA, Mittwoch, der 12. März 2008
Christina Schott

Visum gegen Pferd

Dass Indonesien zu den korruptesten Ländern der Erde gehört, ist lange bekannt. Auch ist es nichts Neues, dass die Einwanderungsbehörde zu Indonesiens korruptesten Institutionen gehört. Und dennoch schaffen es die Beamten immer wieder, uns zu überraschen.

Ein Freund musste sein Besuchsvisum verlängern. Anstatt dies wie gefordert eine Woche vor Ablauf zu tun, kam er erst einen Tag, bevor das Visum seine Gültigkeit verlor. Umgerechnet 100 US-Dollar forderte der zuständige Beamte als Strafe, das sei die Regel. Dabei ging er allerdings von den Sätzen aus, die für bereits abgelaufene Visa gelten. Er ließ sich (natürlich) auf eine Diskussion mit unserem Gast ein.

Strafe müsse sein, sagte der Herr über das Visum, aber er könne sich auch eine Bezahlung in – zum Beispiel – Naturalien vorstellen. Oder mit einem Bild, der Besucher sei doch schließlich Künstler. Man einigte sich auf die Zeichnung eines Pferdes, das Lieblingstier des Beamten. Auf ein Portrait verzichtete er lieber, das sei zu offensichtlich.

Zwei Tage später händigte er das verlängerte Visum aus, im Austausch gegen ein knallbuntes Reiterbildnis. Das Motiv war die Kopie eines Holzschnitts von Cornelis Anthonisz aus dem 16. Jahrhundert, der König Franz I. von Frankreich darstellt. Unter dem ersten König der Renaissance kam es zu einer bedeutenden Entwicklung der Künste in Europa.

Das Gesicht des Reiters in der bunten Kopie ähnelte jedoch verdächtig jenem indonesischen Beamten, der sich offensichtlich auch der Förderung der Künste verschrieben hat.

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