JOGJAKARTA, Montag, der 26. April 2010
Christina Schott

Volkszählung auf Indonesisch oder: Wie werden wir größter als die USA?

Gestern Mittag stand unser Blockwart (den gibt es in Indonesien tatsächlich noch) vor der Tür und stellte uns unseren Volkszähler vor, ein freiwilliger Helfer des Staates – vermutlich ein Student, der sein Taschengeld aufbessern will. Seit Wochen kündigen alle Medien im Land mit der viertgrößten Bevölkerung der Welt den großen Zensus an, der den ganzen Monat Mai lang stattfinden soll und appellieren dabei an Bürgerpflicht und das Nationalbewusstsein, um die Bevölkerung zur Beteiligung zu motivieren.

Also waren wir eigentlich darauf vorbereitet, dass auch wir gezählt werden sollen – allerdings nicht vor unserer Haustür. Denn so einfach, wie es sich die Volkszähler offensichtlich machen wollen, funktioniert das indonesische Meldesystem leider nicht. Als Ausländerin mit einer indonesischen Arbeitsgenehmigung muss ich im Büro meines offiziellen Arbeitgebers gemeldet sein und dieses befindet sich in Ostjakarta. Dass ich nicht im Büro übernachte und privat auch noch eine andere Adresse habe, müsste zwar eigentlich jedem Beamten klar sein, interessiert aber offiziell nicht. Also werde ich – bzw. die Kopie meiner indonesischen Meldebestätigung – unter der Büroadresse zum ersten Mal gezählt. Zum zweiten Mal  werde ich, wie es nun scheint, als Mitbewohnerin meines Ehemannes unter dessen Wohnadresse registriert. Damit aber noch nicht genug: Da mein Mann wie die meisten Indonesier nicht an seiner Wohnadresse, sondern in seinem Heimatdorf gemeldet ist, wird er dort noch einmal erfasst – sowie ich eventuell sogar ein drittes Mal als Mitglied der dort ansässigen Großfamilie.

Viele Indonesier lösen das nationale Meldedilemma, indem sie sich einfach an jeder Adresse einen Ausweis zulegen (mit so genanntem Zigarettengeld ist das meist kein größeres Problem), also werden diese wohl auch automatisch mehrmals gezählt. Auf der anderen Seite gibt es jede Menge Bewohner dieses Landes, die aus eben jenen Zigarettengeldgründen überhaupt keinen Ausweis oder offiziellen Wohnort besitzen – ob diese wohl auch von einem freiwilligen Studenten erfasst werden?

Wie auch immer: Indonesiens Bevölkerungszahl liegt bereits nicht mehr weit hinter den USA. Bei der momentanen Erfassungsmethode dürfte es trotz jahrzehntelanger Bemühungen der Familienplanungsbehörde nicht mehr lange dauern, bis die Indonesier zum drittgrößten Volk der Welt aufsteigen.

 

 

 

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