OXFORD, Mittwoch, der 18. April 2007
Corinna Arndt

Von Lolli lutschenden Polizisten oder: Geduld ist eine Tugend

Es gibt Tage in Südafrika, da beiße ich mir auf die Zunge, zähle lautlos bis zehn und zwinge mich, tief einzuatmen. Und wieder aus. Wenn ich etwa zum fünften Mal im Außenministerium anrufen muss, weil ich jedesmal intern falsch verbunden oder direkt aus der Leitung gekickt werde. (Kein böser Wille, nein. “Skills shortage” heißt das hier.)

Wenn meine Wohnung über Nacht von Einbrechern ausgeräumt wird und am nächsten Tag zwei Polizisten auftauchen – beide mit einem rosa Lollipop im Mundwinkel – und wissen wollen, was mir fehlt. “Ein IBM-Laptop.” – “Ein was…? IBM? Können Sie das buchstabieren??”

Oder wenn ich (mit schlechtem Gewissen, jaja) den Drive-Through von McDonald's ansteuere, weil ich vor Hunger umfalle, aber gerade überhaupt keine Zeit habe. Fünf Autos stehen vor mir. Fünfzehn Minuten später habe ich mich zum Bestellfenster vorgearbeitet. Die Sonne brennt, in mir brodelt die Ungeduld: Fastfood heißt das Zeug! Oder nicht?!

Da streckt sich mir, bevor ich auch nur meine Pommes ordern kann, eine Hand zum Gruß entgegen, dahinter ein breites Grinsen und die Frage “Hallo, wie geht's? Kommen Sie gerade von der Arbeit? Was für ein wunderschöner Tag!” Ohne zu wissen, warum, schlage ich ein, sage irgendwas Nettes und – lächle zurück! Danach frage ich mich, ob ich noch normal bin (oder langsam meinen Biss verliere) und fahre trällernd nach Hause.

Stimmt schon, in Amerika hätte ich meinen Fishburger in zwei Minuten gehabt, hastig in die Hand gedrückt von einer gestressten Highschool-Schülerin. Und in Deutschland wäre mein Laptop wahrscheinlich gar nicht erst verschwunden. (Immerhin haben die Polizisten mit schuldbewusstem Blick gefragt, ob Lollilutschen okay sei. “Aber ja”, habe ich schulterzuckend gesagt.) Manchmal könnte ich in diesem Land vor Ungeduld an die Decke gehen und den Südafrikanern erklären, wie man… aber irgendwie habe ich direkt danach immer ein schlechtes Gewissen. Und außerdem und mal ganz ehrlich: Entspannt lebt es sich am Kap einfach besser.

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