WASHINGTON, DC, Montag, der 20. Februar 2012
Renzo Ruf

Will Hillary Clinton Präsidentin werden?

Ein beliebter Zeitvertrieb in Washington ist das Rätselraten über die nächsten Karriereschritte des politischen Spitzenpersonals. Es erstaunt deshalb nicht weiter, dass sich die halbe Hauptstadt derzeit den Kopf über die Zukunft von Außenministerin Hillary Clinton zerbricht. Der Auslöser: Robert Zoellick, Weltbank-Präsident seit gut fünf Jahren, gab bekannt, dass er sich nicht um eine zweite Amtszeit bewerben werde. Stattdessen tritt der Republikaner, inthronisiert durch den damaligen Präsidenten George W. Bush, auf Ende Juni zurück. Und Clinton gilt – zusammen mit Ex-Finanzminister Larry Summers – als heiße Anwärterin für den Posten, der traditionsgemäß durch das Weiße Haus vergeben wird. (Gemäß den ungeschriebenen Regeln ist Europa im Gegenzug zuständig für die Wahl des Direktors des Internationalen Währungsfonds, der Schwester-Organisation der Weltbank.) Bereits im Juni 2011 publizierte die Nachrichtenagentur Reuters einen Artikel, in dem behauptet wurde, dass Clinton «diesen Job» will. Mit diesen Worten jedenfalls wurde eine angeblich gut informierte Quelle zitiert. Angeblich unterstütze Präsident Barack Obama ihren Wunsch nach Veränderung.

Sowohl das Weiße Haus als auch das Außenministerium bezeichneten die Meldung aber als unzutreffend. Der Sprecher Obamas sagte vorige Woche: «Komplett falsch». Und die Sprecherin des State Departments verkündete: Clintons «Meinung hat sich nicht geändert», und ein Wechsel aus dem Außenministerium in die Weltbank – die beiden Gebäude sind in Washington eigentliche Nachbarn – stehe nicht an. Solch klare Worte sollten die Gerüchteküche eigentlich zum Verstummen bringen. Hinzu kommt, dass die 64-Jährige kein Geheimnis aus ihrem Wunsch gemacht hat, auf Ende Jahr in den Ruhestand zu treten. In der amerikanischen Hauptstadt allerdings werden Dementis selten zum Nennwert genommen. Denn die wenigsten Akteure können sich vorstellen, dass sich Clinton, die seit den Siebzigerjahren politisch aktiv ist, plötzlich zur Ruhe setzt – um darauf zu warten, dass ihre Tochter Chelsea ihr endlich ein Grosskind schenkt, wie Gatte Bill einmal scherzend sagte. Hillary, behauptete der Ex-Präsident, wünsche sich nichts sehnlicher als endlich Großmutter zu werden.

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