WIEN, Mittwoch, der 21. April 2010
Hilja Müller

Wo die Ehrlichkeit zu Hause ist

Schon mal versucht, einen Tisch in einem Café an einer belebten Einkaufsstraße mit einem demonstrativ darauf abgelegten Handy freizuhalten? Nee, oder? Ist ja auch ‘ne bekloppte Idee, denn während man sich an der Theke seinen Espresso holt, findet das Handy einen neuen Besitzer. So ist das jedenfalls in den Ländern, die ich bisher bereist habe. Egal ob in Europa, Asien oder den USA. In Tokio hingegen ist eine solch laxe Art der Tischreservierung kein Problem. Niemand würde sich an dem fremden Handy vergreifen. Die Japaner, so scheint es, verdienten den Nobelpreis für Anstand und Ehrlichkeit.

 Heute früh’ hatte ich wieder so einen Aha-Moment: Während ich mich mit einer Bekannten unterhielt, tippt mir ein junger Japaner auf die Schulter. Ob mir das Geld gehöre, dass hinter mir auf der Straße liegt, fragte er. Die 2.000 Yen, knapp 16 Euro, gehörten mir nicht und auch sonst war niemand in der Nähe, der Geld vermisste.

 Dann solle er es eben nehmen, schließlich habe er es gefunden, schlug ich dem Japaner vor. Der hob nur abwehrend die Hände, und meinte: “Nein, das gehört mir doch nicht.” Meine Freundin und ich haben schließlich jeweils einen 1000-Yen-Schein mit nach Hause genommen als Erinnerung an eine sehr japanische Begebenheit. Meiner hängt jetzt am Kühlschrank zwischen Einkaufszetteln und Notizen mit Schulterminen. Ist doch klasse, oft auf etwas zu schauen, das einem das Gastland so sympathisch macht.    

 

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