Schön, taub, aber entschlossen

Als Sophie Vouzelaud geboren wurde, sah wenig danach aus, dass sie einmal als Model arbeiten würde. Sie kam nahezu völlig gehörlos auf die Welt. Trotzdem lernte sie sprechen und besuchte eine normale Schule. Mit 19 nimmt sie an einem Modelwettbewerb teil und ergattert am Ende den zweiten Platz bei der Wahl zur Miss France. Seitdem ist die Schönheit mit den Hörgeräten in Frankreich ein kleiner Star und setzt sich für mehr Akzeptanz der Gehörlosen in der Gesellschaft ein. Sie möchte beweisen, dass man auch mit einem Handikap ein normales Leben führen kann. Weltreporterin Barbara Markert stellt die Französin, die aktuell eine Botschafterrolle für Dior Parfums übernommen hat, in einem Modeportrait mit umfangreicher Bilderreihe zur aktuellen Herbstmode vor.

Mitleid mit Santa

IMG_0634Generell wird Santa (australisch kurz für: Weihnachtsmann) hier auch bei derzeit 26 ºC in seine traditionelle Kluft gesteckt: langer Mantel, Mütze und Fellstiefel. Er muss hinterm Bart in Filz und Fell vor Shoppingzeilen schwitzen und legt sogar volle Montur an, wenn er im Lifesaver-Boot übers blaue Meer zum jährlichen “HoHoHo” an den Strand gefahren wird. Um so erleichterter war ich, eben im Frisörladen ums Eck zu sehen, dass jemand Mitleid mit dem Herrn der Geschenke hatte und ihm eine jahreszeitlich etwas passendere Uniform erlaubt. Steht ihm gut finde ich.

Rechtschreibnazis

Als Deutsche tue ich mich in meiner neuen Heimat oft schwer. Was vielleicht auch daran liegt, dass ich mich so oft an schlechter Rechtschreibung störe. Die gehört in diesen Breitengraden zum öffentlichen Erscheinungsbild wie Flip-Flops mit Socken im Winter. Was in meinen Augen ein krasses orthographisches Vergehen ist, sehen die meisten Kiwis jedoch als Kavaliersdelikt: Who (oder hoo) cares?  Dank dieser laxen Haltung wimmelt es mich herum nur so von falschen Apostrophen, von „your“ statt „you’re“. Damit muss ich leben. Assimiliation nennt man das. 

In der Schul-Cafeteria habe ich mich bereits unbeliebt gemacht. Wochenlang las ich auf dem Lunch-Bestellzettel meines Sohnes, dass es „Squizzeed Orange Juice“ zu kaufen gäbe, obwohl der gepresste Saft doch laut Wörterbuch „squeezed“ heißen sollte. Irgenwann zuckte es mir in den Fingern. Ich strich das falsche Wort durch und schrieb das neue darüber. Prompt kam eine Antwort der Küchenkraft, was meinem Sohn besonders peinlich war: „Squizzeed“ sei der Markenname. Der Saft ist nämlich gar nicht gepresst. Reingefallen, Besserwisserin!

Immerhin habe ich mich letztens zurückgehalten, als ich ein Auto den beeindruckensten Aufkleber spazierenfahren sah, der mir je in Aotearoa unterkam. I love Mell’s titty’s. Das Herz-Symbol, das für das Wort „love“ stand, sah korrekt aus, auch am„I“ gab’s nichts zu meckern, aber ab dann muss der Verehrer der offensichtlich mit Doppel-L gesegneten Mellanie ins Schleudern gekommen sein. Den sicher bewundernswerten „titties“ tut das keinen Abbruch. Der Außenwirkung des Autofahrers jedoch schon.

Ich bin dankbar, dass ich mit meiner Fixierung auf das falsch geschriebene Wort nicht alleine dastehe. Autor Jon Bridges hat sich unter dem Pseudonym ‚spellnazi‘ bei TradeMe angemeldet, was unser Ebay ist, und jede Online-Versteigerung nach Rechtschreibfehlern durchkämmt.  Wann immer etwas nicht stimmte, schickte er dem Anbieter eine nette Nachricht und lieferte die Korrektur gleich mit: „Hi. Nur ein paar Fehler in Ihrer Beschreibung, aber sonst alles gut. Sie haben ‚riffle‘ statt ‚rifle‘ geschrieben und ‚orsome‘ statt ‚awesome‘. Viel Glück mit der Auktion. Sieht nach einem schönen Gewehr aus.“

Das Feedback war gemischt. Die Beschimpfungen, die Bridges sich einhandelte, waren nicht ohne, und auch nicht ohne Fehler. Seine private Erhebung ergab ein erschreckendes Bild: Die Worte, an denen fast die Hälfte der Kiwis bei TradeMe orthographisch scheiterten – wie „definately“ statt „definitely“ oder „recieve“ statt „receive“ – bekommen in den USA, England und selbst im angeblich so barbarisch unkultivierten Australien über 80 Prozent der Online-Anbieter problemlos hin.

Am Ende startete der Rechtschreibnazi seine eigene Auktion. Er bot ein fast unbenutztes Apostroph an (schwarz, 12 Punkt, Times New Roman). Es ging für hundert Dollar an einen Joe aus Whakatane. Vielleicht liebt auch der ein paar Brüste, die mit einem falschen Apostroph mehr erst richtig zu Ehren kommen.

FB-Orange, oder: Das richtige Leben im Falschen

Orange und von der Seite Pink. Ella’s Freundin hatte eine kuriose Hautfarbe. Ein Griff zur falschen Pickelcreme? Nee, dagegen sprach, dass auch Schultern, Arme, großzügiges Dekolletee und Beine der 18-Jährigen Orange leuchteten.

Später im Kino fragte ich meine Kollegin, was die Freundin ihrer Tochter eigentlich mit ihrer Haut hätte. (Ich gebe zu, in Make-up und Mode-Fragen war ich nie weit vorn.) Kathy, also meine Kollegin, wusste auch nicht wieso Sarah vor dem Ausgehen gestrahlt hatte wie eine Mandarine. Aber sie versprach, es herauszufinden. Kathy ist top in Recherchen der kniffligen Art. Dienstag rief sie an: Selftanning Lotion. In Sydney scheint gerade eine hautfreundlich milde Wintersonne, ohne starke Farbfolgen. “Also musste vor dem Ausgehen Selbstbräunung aus der Tube ran.”

Nun war aber Sarah aber ja leider nicht braun sondern erschreckend gelblich-apfelsinig geworden –  zu viel Chemie offenbar, OrangeHaut statt Sommerteint. War ihr das nicht peinlich? Kam das auf Partys heute gut an? “Hab ich ja auch gefragt”, nickt Kathy. Und erntete blankes Unverständnis: Nein das Orange sei im Gegenteil völlig okay. Das käme nämlich auf den Facebook-Fotos von der Big-Night-Out später viel besser raus – Blitzlicht und zweimal digital kopiert, mache aus Orange ein saucooles Bali-Braun.

Und dass sie auf der Party leuchtet wie ein Kürbis und dann tagelang gelb durch die Gegend läuft? Egal! “Spätestens Mittwoch“ sei im echten Leben ihr Teint ja wieder wie sonst. Die Facebook-Fotos aber, die würden doch viel mehr Leute sehen als nur die, mit denen sie gefeiert hat. Immer wieder würden die angeklickt, von allen möglichen potentiellen Fans. Und blieben da den Rest ihres Lebens!

Fair enough, in der Ewigkeit will man top aussehen, klar. Facebook für Fortgeschrittene, grinst Kathy. Wer in der sozial-medialen Unendlichkeit gut rüberkommen will, muss eben zu kleinen Opfern bereit sein.   (Fotos: Facebook)

Ho! Ho! Ho! I'm hot.

Auch nach fast acht Jahren in Sydney fällt mir schwer, Santa ernst zu nehmen. Ich fürchte, das liegt an etwas peinlich Oberflächlichem wie seinem Outfit. Santa (eigentlich Santa Claus, aber wir kürzen hier unten gern ab), sind jene Herren, die in rotem Samtvelours gewickelt mit dichtem weißem Bart und kuschlig warmer Mütze seit ein paar Wochen umherwandern, in Shopping Malls sitzen und Geschenke verteilen. Dazu rufen Santa Clause zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit “HO!HO!HO!”

Das ist australische Mundart, aber was es heißt hat mir noch kein Einheimischer erklären können. Meine alltagskulturelle Beraterin Christine sagt: “Santa kommt samt zwölf Rudolph (Rudy) genannten Rentieren vom Nordpol. Mit Hohoho vermeidet er Smalltalk, für den er keine Zeit hat, weil er ja um die ganze Welt muss.” Mehr weiß sie über den dröhnend dargebotenen Dreisilber auch nicht. Das “Australian Phrasebook” des bekanntlich immerschlauen Lonely Planet bemüht sich erst gar nicht um eine Erklärung.

Ich glaube, das dreifach-Ho ist mitnichten ein Lachen, sondern Santas Art uns mitzuteilen, dass er es santafeindlich findet, bei über 30 Grad in dicken roten Mänteln rumzulaufen: “HO!HO!HO ist mir heiss!” “Ho-ho-hot is it here…” Nach gut 220 Jahren weißer Besiedlung des Kontinents könnten wir doch eigentlich klimatisch passendere Kleidung für den Hochsommergast vom Nordpol finden.

Immerhin – Dieses Jahr zieren die allgegenwärtigen, bunten Advents-Straßenbanner in Sydney nicht wie sonst die beliebten Eissterne-Motive und Schneemänner. Diesmal schmücken die im Dekorations-Rausch befindliche Innenstadt lokale Flora und Fauna.

Das gibt Hoffnung. Wer weiß, in ein paar Jahrhunderten darf sicher auch der australische Santa Surfshorts tragen. Vielleicht in Dunkelrot mit weißem Puschelrand. 

 

Shanghai will Schlafanzüge von den Straßen verbannen

 

Im Mai kommenden Jahres beginnt die Expo 2010 in Chinas Boomstadt Shanghai. Seit Monaten wird die ganze Stadt geschminkt und verschönert. Selbst die hässlichen alten Bürobauten in der Straße neben meinem Haus sind renoviert worden. Die alte Fassade aus grauen Kacheln ist durch Spiegelglas ausgetauscht worden, allerdings nur auf der Gebäudeseite zur Straße.

Jetzt sollen sich auch die Einwohner schön machen: Die Shanghaier Regierung will ihren Einwohnern endlich das Tragen von Schlafanzügen in der Öffentlichkeit austreiben.

Seit 30 Jahren boomt die chinesische Wirtschaft. Viele Chinesen haben seitdem viel Geld verdient. Und gerade die luxusverliebten Shanghaier geben es auch mit großer Freude wieder aus. Längst haben sämtliche westliche Luxus-Modehersteller ihre flagship stores in Shanghai eröffnet. Und in kaum einem anderen Land begegnet man auf der Straße so vielen Handtaschen von Louis Vuitton wie in Shanghai. Trotzdem ziehen Zehntausende Shanghaier jeden Tag nach der Arbeit die Anzüge und Business-Kostüme aus, schlüpfen in ihre Schlafanzüge und gehen Einkaufen oder Spazieren, gerne auch in Stöckelschuhen. Bei ausländischen Touristen sind die Shanghaier Schlafanzüge das beliebteste Fotomotiv.

Die Shanghaier selbst erklären ihre Liebe zum Pyjama übrigens mit ihrem ausgeprägten Modebewusstsein. Als die Kulturrevolution 1976 endlich vorbei war und ein frischer Wind durchs Land wehte, sehnten sich die Menschen zuerst nach bunten Farben und individueller Kleidung. Doch in ihren Kleiderschränken hingen nur die blauen Mao-Uniformen. Es heißt, dass die ersten Shanghaier damals ihre Schlafanzüge auf den Straßen anzogen, es waren die einzigen bunten Kleidungsstücke, die den Kommunismus überstanden hatten. Und sie lieben ihre Pyjamas bis heute.

Seit Jahren versucht die Regierung, die Shanghaier die Schlafanzüge von den Straßen zu verbannen. Pyjamas in der Öffentlichkeit zu tragen „verstößt gegen internationale Praktiken und soziale Rituale“, zitierte die amtliche Tageszeitung Global Times einen Pressesprecher der Stadtverwaltung. Leuchtreklamen in der Innenstadt ermahnen die Menschen, ihr Nachtgewand nicht in der Öffentlichkeit zu zeigen. Es gibt sogar Beamten, die extra dafür abgestellt wurden, die Shanghaier Abendmode zu modernisieren. Alles Teil der Kampagne mit dem schlimmen Namen „Die Schlafanzüge zu Hause lassen und ein zivilisierter Gastgeber der Weltausstellung werden“.

Ich habe die Schlafanzüge eigentlich immer sehr sympathisch gefunden. Wenn man weiß, was seine Nachbarn abends im Bett tragen, fühlt man sich ihnen automatisch näher. Die Kampagne finde ich albern. Bisher habe ich immer in Unterwäsche geschlafen. Vielleicht ist jetzt die richtig Zeit, um wieder auf Schlafanzüge umzusteigen.

 

Die Fragen des kommenden Winters

In Paris laufen gerade die Herrenmodeschauen und nach nur zwei Tagen häufen sich die Fragen.

1. Wer wählt eigentlich die Herrenmodels aus? Und wie kommt es, dass bei männlichen Models Schönheit keine Rolle spielt?

 

 

 

 

 

2. Wer gut sieht ist out? Ja, das scheint so, denn DAS Modeaccessoires des Winter ist die Hornbrille mit besonders starken Gläsern.

 

 

 

 

 

3. Wie style ich Hochwasserhosen richtig? So wie Galliano? Reinstecken oder weglassen?

Letzte Impressionen von der Pariser Modewoche: Exotik gewinnt

Der Kampf war heiß: Am Wochenende überschlugen sich die Ereignisse in Paris. Die Modewoche und ihre Partys konkurrierten mit der Nuit Blanche (die lange Nacht der Museen) und dem Rugby-Spielen Frankreich–Neuseeland und Schottland–Argentinien. Hier die Gewinner:
Rugby schlägt exzentrische Mode und Chloe-Parfum-Party
und…Kaiser's Kaffeegeschäft-Original schlägt YSL-Fake. 

Pariser Modeschauen und die neuen Online-Methoden

Auch die Mode-Presseagenturen gehen mit der Zeit, wie die Agence "mpressoffice" beweist. Statt Freelancer wie mich zu ihrer Fashionshow einzuladen, schickten Sie mir einen Tag später vier Bilder (davon eines unscharf) der Show der türkischen Designerin Dice Kayek und eine vorgefertigte Kritik. Toller Service? Nein, keineswegs. Denn nur wenn man die ganze Show gesehen hat, kann man sich ein Bild von der Kollektion machen. Und ehrlich gesagt brauche ich niemanden, der mir meine Kritik vorformuliert. Die Vogue, Elle und Konsorten hatten sicherlich eine Einladung. Warum also werden wir Freelancer so abgespeist?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Impressionen von den Pariser Modeschauen 3

Was haben Mode und ein Staubsauger gemein? Nichts. Falsch gedacht! Auf den Pariser Modeschauen tat sich Designer Dai Fujiwara vom Modehaus Issey Miyake mit dem Staubsauger-Tüftler James Dyson  zusammen. Das Ergebnis der Kooperation war eine ziemlich windige Sache. Unter dem Titel "The Wind" durfte sich die Front-Row wie bei einem Haarspray-Test fühlen (Sitzt die Frisur noch?), während die hinteren Reihen auf sich bewegende Mammut-Staubsaugerschläuche blickten. Das Spektakel hatte trotzdem was.