7. 12. “Podvarak” – Sauerkrautauflauf zur serbischen Weihnacht

Nein, nein, das Festessen gibt es in Serbien am 24. Dezember nicht. Da sind die orthodoxen Serben noch brav am Fasten, da müssen sie noch gute zwei Wochen durch, denn der Heiligabend wird erst am 6. Januar gefeiert. Der Heiligabend ist der letzte der 40 Fastentage, also, auf den Tisch kommen nur Fisch, Nudeln mit Nüssen, Obst und Trockenobst.

Am ersten Weihnachtstag, am 7. Januar, geht es dann mit einer Tafel, die sich biegt, so voll ist sie, richtig los. Das lange Fasten wird belohnt, es werden bis zu zehn Menügänge aufgetischt, hier eine kleine Auswahl: Als Antipasti kommen dünn geschnittener Rinderschinken, Ziegenkäse in Öl, sauereingelegte Paprika, gefüllt mit Schafskäse auf den Tisch. Es folgen eine klare Suppe und Tafelspitz mit Meerrettichsauce. (mehr …)

11. Geschenk: Auf Wolken schweben mit Opanken aus Serbien

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Das ist ein Bundschuh. Er stammt aus keltischen Zeiten. Er heißt OPANKE, Mehrzahl: OPANKEN. Und: Er ist serbisch – hundert pro, obwohl man den Bundschuh auch in Mazedonien und Bulgarien findet.

Als Opanken werden absatzlose Schuhe aus purem Leder bezeichnet, deren hochgebogenen Sohlen eine schnabelförmig aufgebogene Spitze ziert. Viele Riemchen, kunstvoll verflochten, bilden das Oberteil des Schuhs. Gehen und laufen in Opanken ist eine Wonne: sie sind flexibel, bequem, die Sohle passt sich dem Fuß an und gibt dessen Bewegung wieder.

WIKI sagt, dass im 19. Jahrhundert diese Bundschuhe auch in Irland, Island, Italien, sogar an der Nordsee getragen wurden. Auch in Afghanistan, Iran und auf dem Kaukasus waren sie verbreitet.

Leben tun sie heute nur noch auf dem Balkan, vor allem in Serbien. Allerdings sind sie nur noch als Souvenir zu kaufen, denn die Landbevölkerung bevorzugt bei Kartoffel–oder–Maisernte heute die NIKE-Fakes aus Fernost, die sind billiger. Und so stirbt der Beruf des Opanken-Machers aus. In Belgrad gibt es ein Opanken-Museum, der Besuch lohnt.

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Die Opanken in allen Größen, aber auch als Schlüsselanhänger oder Vitrinenschmuck, findet man in Souvenirläden all over Serbien. Die Anhänger kosten ein paar Euros, die Schuhe bekommt man zwischen 15 und 30 Euro.

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Weltreporter-Forum 2016 – hier ist das Programm!

Das Programm des Weltreporter-Forums 2016 in Raiding/Burgenland steht:

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Wir freuen uns mit unseren internationalen Gästen auf einen spannenden Sommer-Nachmittag auf dem Land. Und auf Sie!

Adventston 16. 12. – Goran Bregovic

Danja Antonovic, Belgrad 2013-05-07 23.59.30“Ich persönlich mag diesen diesen schnellen, lauten, ekstatischen Rhythmus von Bregovic sehr gerne”, schreibt Danja Antonovic, Weltreporterin in Belgrad: “und wenn man ihn hört, dann denkt man an Serbien.”

Tesla, Tito und Trompeten sind Markenzeichen der boomenden Stadt Belgrad an der Save und Donau. Mädchen mit den kürzesten Röcken und den längsten Beinen der Welt spazieren durch die unzähligen Jazzclubs, Bars und Cafées, durch alternative Kunstdistricts in zerfallenen Gründerzeithäusern.  Serbian Sushi als nouvelle couisine vom Balkan im Belgrader Hafen – “und das alles billig” schreibt `Lonely Planet` und macht Belgrad zu einer der zehn “must see destinations” für 2015. Die Touristenzahlen steigen, im letzen Jahr um 15 Prozent.

Und während Belgrad eine “Enjoy-Stadt” geworden ist, stehen dem gegenüber fast 30 Prozent Arbeitslose in Serbien und eine patriarchalische Gesellschaft, in der Frauen, Roma und Schwule nichts zu lachen haben.

Danja Antonovic lebt seit 2006 als Auslandskorrespondentin in Belgrad und bereist von dort aus die ex-jugoslawischen Länder, von Slowenien bis Mazedonien. Dabei wirft sie einen humor- und liebevollen Blick auf die Skurrilitäten der Region – ob Paprika-Erntefeste oder weihnachtlicher Konsumrausch, ob Emir Kustoricas “Küstendorf” in den serbischen Bergen oder das Merchandizing zum neuen Tito-Kult.

 Anhören: zum tönenden Adventskalender

Belgrad auf Eis

BRRRRRRH. Kalt. Saukalt. Scheißkalt. Minus zwanzig Grad kalt. Gefühlte Temperatur: Minus dreißig. Der Ostwind KOŠAVA fegt über die Pannonische Ebene orkanartig. Seit Tagen Schnee, Schnee, Schnee, der Himmel ist Schnee, der Boden ist Schnee, du weißt gar nicht mehr von welcher Seite kommt er. Der Schneesturm verweht dir den Atem, die Nasenspitze erfriert.

Dabei ist Belgrad noch gut dran. Südserbien ist seit zwei Monaten verschneit. 70.000 Menschen in den Bergdörfern haben zwischendurch keinen Strom, Straßen haben sie eh nicht, ergo, sie sind schwer erreichbar. Zwanzig Tote zählt man seit Januar, täglich wird die zahl höher, Soldaten und Helikopter sind unterwegs.

Serbien mutiert langsam zu Sibirien.

Eis und Schnee haben Ex-Jugoslawien vereint: Etwa 150.000 Menschen sind in Kroatien, Bosnien oder Montenegro eingeschneit. Die ersten Lawinen haben die ersten Opfer begraben. Zehn Menschen sterben in Kosovo, ein fünfjähriges Mädchen wird gerettet.

Montenegro ruft den Ausnahmezustand aus, es besteht die Arbeitspflicht, die Bergregion ist vom Rest der Welt abgeschnitten. Aus einem verschneiten Zug wurden 20 Personen gerettet. In der mediterranen Hauptstadt Podgorica knicken die Palmen wie Streichhölzer um, der Nordwind BURA weht tote Fische ans Land. In den Krankenhäusern der kroatischen Adria-Stadt Split ist der Gips knapp geworden, Eis und Kälte kennen die sonnenverwöhnten Dalmatiner gar nicht. Die Adria ist – tiefgefroren.

Der Ausnahmezustand in Serbien heißt „Ausnahmesituation“, die Soldaten und Freiwillige erreichen Kranke und Alte in den Bergdörfern oft nur auf Skiern.

In Belgrad verschwinden die Save und die Donau unter dicken Eisschichten, Schiff-Fahrt auf der Donau ist eingestellt. Nach zwei Sonnentagen und Minus 20 Grad schneit es wieder. Die Energieversorgung der Hauptstadt steht auf der Kippe: Strom und Gas sind knapp, Schulen und große Betriebe geschlossen,  Straßenbeleuchtung wird sparsam eingesetzt.

Seit gestern wieder Schnee, Schnee, Schnee. Laut Prognose hört der Schneefall erst in zwei Tagen auf.

Dann soll es wärmer werden.

 

 

DER NACHSCHLAG ZUM KAHLSCHLAG

Die Logik der Belgrader Stadtväter bleibt weiter unverständlich: Sie holzen zuerst fast 500 alte Bäume ab.  Trotz Proteste wüten die Kettensägen, der Polizeischutz schützt nicht die Bäume, sondern die Arbeiter. Das ganze Vorhaben wird mit einem Gutachten begründet: Die Wurzeln der Bäume seien zu breit, die Kronen zu dicht. Kurz um, die Platane sind für Mensch und Tier gefährlich. Also, ab mit denen.

Nur zwei Monate später, vermeldet die Stadtverwaltung stolz: Belgrader, ihr bekommt eure Platanen wieder! Das Gutachten lautet diesmal: Die Platane sind gut geeignet für Mensch und Tier, ihre Wurzelballen werden gebändigt, der Wuchs der Kronen kontrolliert.

Glücklicher Belgrader! In etwa 60 – 70 Jahren werden sie wieder im Schatten der großen Bäume sitzen können.

EIN FOTO UND KAUM TEXT

Ihre Retter nennen sie MILA, die Liebevolle. Mila ist ein Straßenhund. 4500 gibt es in der Zwemillionenstadt Belgrad.

Jeden Tag saß sie vor einem Supermarkt, wedelte mit dem Schwanz, spielte mit den Kindern. Die Nachbarn haben sie gefüttert. Dann verschwand sie. Gefunden wurde sie neben einem Müllcontainer. Der unbekannte Täter hat Mila alle vier Pfoten bei lebendigem Leibe abgeschnitten. Sie überlebte und liegt jetzt in einer Tierarztpraxis. Wenn keine Komplikationen auftreten, soll sie in einer deutschen Tierklinik Prothesen bekommen. Nach dem Täter wird noch immer gesucht.

Selten hat ein Foto die Nation so berührt wie dieses. Erstmals demonstrierten Tierschützer direkt vor dem Parlament und forderten sofortige Änderung der laschen Tierschutzgesetze. Wer ein Tier mit Benzin übergießt und verbrennt, erhält eine Minimalstraße. Die Täter werden selten gemeldet und gefunden.

Über Mila wird nun täglich berichtet, die Öffentlichkeit ist empört. Das Magazin VREME zitiert eine amerikanische Studie, die besagt, dass in den US-Familien, in denen Misshandlungen an der Tagesordnung sind, auch 88% der Haustiere getötet werden. Eine solche Studie hat Serbien nicht. Nur ein paar spärliche Daten: im letzten Jahr haben 32 Frauen die Gewalt ihrer Männer nicht überlebt. Über die Kindesmisshandlungen wird kaum geredet.

Die offene Gewalt ist Alltag in Serbien. In der Reihenfolge der Opfer stehen Tiere an letzter Stelle.

 

BLOGGEN ODER NICHT BLOGGEN?

Es geschieht schnell. Ich meine, das mit dem Blogschreiben. Oder mit dem Nicht-Schreiben des Blogs. Den ganzen Monat tickt es im Hinterkopf „Am 1. des Monats bist du dran“ und „mach was Witziges“ und „Achtung! Bald ist es so weit“. Und dann ist, oh Wunder, wieder das Ende des Monats da und die ultimative Meldung im Hirn heißt: „Scheiße, du hast es vergessen“. Dann bricht Panik aus, die Finger fliegen auf der Tastatur und es ist gerade noch geschafft. Und warum das menschliche Wesen (in diesem Falle ich) alles in letzter Sekunde erledigen muss, das wird mir in diesem Leben ein Rätsel bleiben.

In diesem Monat haben alle Warnsysteme versagt. Blogschreiben? Schlicht vergessen. Und wenn nicht Ruth aus Tel Aviv per E-Mail gemahnt hätte („Wo bleiben die Blogschreiber?“)  hätte ich weiterhin sorglos die Ostertage mit meinen Freunden verlebt. Die aus allen Himmelsrichtungen nach Belgrad eingeschwebt sind.

Da war zuerst Bora Sajtinac aus Paris. Der geniale Zeichner, der jahrelang für DIE ZEIT und den STERN die deutsche Gegenwart beobachtet hat, bekam in Belgrad den Preis für sein Lebenswerk. Als wir über gestern und heute in einem Stadtcafé redeten, knipste ein Pressefotograf Boras verkehrte Welt: wir zwei Hübschen sind im Deckenspiegel zu sehen.

Dann kamen Emilija, Mirjana und Aaron und all die Tage haben wir viel gegessen, viel geredet, nett getrunken und Fotos vor der Kathedrale gemacht.

Meine Gäste waren genau das, was Belgrad suchte: Kurzreisende, die schön Geld in der Stadt lassen. Nur: als sie Belgrad von der Donau aus begucken wollten, immerhin 20 Euro pro Person hätten sie bezahlt, hieß es: Sorry, die Saison beginnt erst in einer Woche.

Wie clever. Dann sind alle Touristen weg.

DER KAHLSCHLAG VON BELGRAD

Belgrader längste Straße ist sieben Kilometer lang und  heißt Boulevard des König Alexander. Seit 90 Jahren ist der Boulevard die schönste Allee der Stadt. So lange säumten 500 dicke, schattenspendende Platanen die breite Straße. Bis gestern.

 

 

 

 

Die Stadtverwaltung, die jahrelang die Kronen der Bäume gekappt hat, („zu hoch, zu gewaltig“) hat im Zuge der Umgestaltung des Boulevards beschlossen die Platanen abzuholzen. Weil sie krank seien – so die Erklärung. Die Ursache: die vorherige, unsachgemässe Beschneidung der Kronen.

Die Meldung wird in der Tagespresse veröffentlicht, zuerst ohne Resonanz. Dann melden sich namhafte Intellektuellen, Studenten und Schauspieler umarmen die Bäume, alle verlangen noch ein Gutachten. Die Presse schweigt. Die Pressekonferenzen der neugegründeten Bürgerinitiative gegen den Kahlschlag werden nicht beachtet. Über den Protest erfährt man nur in der Rubrik „Leserbriefe“ der Tagespresse.  Blogs und Facebook bieten die Plattform, auf der tausende von Unterschriften gesammelt werden. Am Ende ist der Druck so groß, dass die Stadtverwaltung einen neuen Gutachter beruft, der prompt erklärt, „nicht jeder Baum ist krank, nicht jeder Baum muss weg“. Es schien, als ob eine Einigung möglich wäre: nur kranke Bäume sollen ersetzt werden. An diesem Montag (1. März) sollte die endgültige Lösung gefunden werden.

Trotzdem werden  an diesem Wochenende a l l e Bäume, 500 dicke, 90 Jahre alte Platanen abgesägt.

Auf dem nassen Asphalt liegen gelbe, goldene, gesunde Stumpfe. In meiner Wohnung, im 4. Stockwerk mache ich laute Musik an, um nicht den bohrenden Ton der elektrischen Sägen zu hören. Eine Nachbarin weint, ich weine mit. Die Aktivisten umarmen die Bäume, erfolglos. Sie werden abgeschleppt, die Bäume abgesägt. Die Vogelnester klatschen auf den nassen Asphalt.

Für ein Land, das erst vor einem Jahr ein Umweltschutzgesetz verabschiedet hat, für ein Land das in Müll, Abgasen und qualmenden Deponien erstickt, stehen Bäume auf der Prioritätenliste weit unten.

Ich bin in meiner tiefsten Seele traurig. Mit diesen Bäumen ist ein Teil meiner Kindheit verschwunden.

Felix Serbia. Felix Belgrado.

Ohne Stadtvögel, ohne Bäume, mit Autos bepflastert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

GOOGLE GRÜßT, NUR DAS GELD, DAS GIBT ES NUR EINMAL

 

Freude auf allen Ebenen: Die Hirnwindungen arbeiten auf vollen Touren, die Gedanken prasseln in die Tasten, die Texte schreibe ich so lange um, bis die Endfassung stimmt, dann – geschafft. Noch up and away per Mail – und das in Hamburg schlummernde Bankkonto freut sich auch.

Eine volle Woche bin ich mit der Wahl des neuen Patriarchen der Serbisch-Orthodoxen Kirche beschäftigt. Ich liefere einen Vorbericht, in dem es um Querelen unter den Bischöfen geht, eine erweiterte Nachricht, dass doch, wie vorgesehen, die Wahl an diesem bestimmten Freitag stattfindet und nicht verschoben wird, gebe weiter die Mutmaßungen über die möglichen Kandidaten. Berichte schließlich über die Wahl selbst und über die Inthronisierung des neuen Patriarchen. Ein Portrait des Erwählten und Neugewählten gehört dazu.

All das könnte zur normalen journalistischen Arbeit gehören, wenn die serbische Kirche nicht so geheimnisvoll täte. Keine Nachricht dringt aus der Patrijaršija, dem Kirchenhauptsitz, nach außen. Es scheint, als ob die hohen Kirchenherren eher das Zwiegespräch mit Gott bevorzugen, als dem Volk Auskunft über ihr Tun zu gewähren. Zwar hat die Kirche eine Website, jedoch steht auf dieser Website nichts, was weiterhelfen würde. So hieß es zuerst, die Wahl würde am Freitag, dem 22. Januar, stattfinden, wie lange sie aber dauern würde – das stünde in Gottes Hand. Die Inthronisation KÖNNTE dann am kommenden Mittwoch, am 27. Januar, stattfinden. 

Nach dieser Meldung folgten Tage der Stille. Bis die Popen sagten, naja, möglich wäre es, daß die Wahl länger dauert. Zwei Tage oder so. Und: Die Thronbesteigung wäre dann – am Sonntag.

Ich und Rainer Clos, der zuständige Redakteur beim EPD (Evangelischer Pressedienst), stehen täglich bei Fuß und bereden das mögliche Prozedere, ohne genau zu wissen, was wann passieren wird.

Und dann wird plötzlich alles anders: Nach nur drei Stunden ist der Patriarch Irinej am Freitag gewählt worden, die Inthronisation folgt am Samstag vormittag. Nun telefoniere ich wie wild, um zu erfahren, zu welchem Flügel der neue Oberpope zählt, denn die serbische Presse hat zwar viele von den Bischöfen durchleuchtet, nur diesen Irinej nicht. Die Beschaffung der Fotos stellt das nächste Problem dar. Keiner der befreundeten Pressefotografen hat die Akkreditierung für die Patrijaršija bekommen – also keine Fotos. Diese aber braucht  die Redaktion unbedingt, also weitersuchen. Die Belgrader Presseagentur BETA macht am Freitag um 16 Uhr dicht, auch hier keine Hilfe. Schließlich, nach unzähligen Telefonaten, sind die Fotos gefunden, und am Samstag um 14 Uhr ist alles vorbei.

Die Belohnung für meine göttlichen Dienste war dicke. Die Artikel werden in Deutschland unzählige Male übernommen, sogar der Vatikan tut es, die Texte erscheinen auch in Russisch.

Wunderbar, alles easy, meine Präsenz bei GOOGLE hat zugenommen, nur das Geld, das gibt es nur einmal.