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Die Weltreporter trauern um Gerd Braune

Es sind die freundlichen Augen, das verschmitzte Lächeln unterm Schnurrbart, der feine Humor und die entspannte Haltung selbst in stressvollen Situationen, an die sich alle Weltreporter*innen erinnern, die Gerd Braune kennengelernt haben. Und an einen Journalisten vom alten Schlag im besten Sinne: Neugierig bohrte er nach bei Themen, die ihm am Herzen lagen, wie die indigene Bevölkerung Kanadas und die Arktis; er schrieb mit genauso viel Liebe und Leidenschaft für die ‚Bunten Seiten‘ wie für den Hintergrund; selbst unter größtem Druck verpasste er keine Deadline.
Gerd Braune war seit 2011 unser Mann in Kanada. Genauer gesagt, in der Hauptstadt Ottawa. Vor fast 30 Jahren zog er mit seiner Frau Ute und ihren zwei Kindern aus Deutschland in seine zweite Heimat und berichtete seither von dort als selbständiger Auslandskorrespondent für deutschsprachige Zeitungen. Der Umzug war ein mutiger Schritt, denn Kanada ist nicht gerade ein Brennpunkt für „Breaking News“. Doch Gerd schaffte es, mit seinen kenntnisreichen Artikeln und Büchern die Aufmerksamkeit auf Themen zu lenken, die sonst im redaktionellen Alltag zu oft untergegangen wären. Dazu gehörten die Einwanderungspolitik und der Rohstoffreichtum Kanadas genauso wie die Hockey-Liga und Karl-May-Klischees.
Auf unserer Website schrieb er – wie immer mit einem Augenzwinkern –, er sei nach Ottawa gekommen, „um über das riesige Land Kanada zu berichten, das viele Europäer als Paradies sehen, aber kaum jemand kennt“. Gerd verkörperte das Ideal der Weltreporter.
Vor wenigen Monaten hat er noch mit Kolleginnen aus Mexiko und den USA in einer Weltreporter-Live-Ausgabe zur Weltmeisterschaft sein Fußball-Wissen von der WM 1954 über Frauenfußball bis zum Einfluss der WM 2026 auf den Handelskrieg zwischen Kanada und den USA geteilt. Für den November hatten wir mit ihm eine Veranstaltung zur Arktis geplant, auf die wir sehr gespannt waren.
In ihrem Brief an Freunde, Freundinnen und Verwandte schreibt die Familie, dass sein Leben bei etwas endete, was er liebte, nämlich bei einer Radtour an der Altmühl mit seiner Frau Ute und kanadischen Freunden. „Gerd war voller Leben und Liebe für seine Freunde und Freundinnen, seine Arbeit als Journalist und Korrespondent in Kanada, für uns als Familie … Für ihn war es eine letzte Reise, die nach nur wenigen Kilometern endete, als er wegen eines vermutlichen Herzinfarkts ins Schlingern kam und schwer stürzte.“
Für uns ist es ein Trost, dass Gerd sich bis zum Schluss so mitten im Leben bewegte und von geliebten Menschen umgeben war, als er starb. Gleichzeitig sind wir unfassbar traurig, dass wir nie mehr bei Wein, Bier oder Kaffee mit ihm zusammensitzen, sein Lächeln mit den blitzenden Augen sehen und mit unserem klugen, warmherzigen Kollegen über Kanada und die Welt reden können.
Weltreporter, 10. September 2026
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