Die Rückkehr der Angst – Feature bei SWR2

2017 ist Putin seit fünf Jahren wieder Präsident Russlands. In der Zeit hat sich viel verändert. Am schlimmsten ist, dass die Angst zurückgekehrt ist.
Wie das geht und welche Folgen das für Demokraten hat, erzählt das Feature anhand von vier Menschen, die ich seit dem Winter 2011/2012 immer wieder getroffen habe. www.russianangst.de

Die Sendung kann man hier hören:
http://nachmoskau.de/archives/2997

Und man kann das Buch lesen, das die “Russian Angst” beschreibt.
http://www.russianangst.de

Adventston 6. 12. – Balletttraining …

_MG_9878…  im Bolschoi.

Land und Leute zum Klingen zu bringen, gehört ebenso zu den Leidenschaften von Thomas Franke wie schnelle faktenorientierte Berichterstattung. Seit mehr als 20 Jahren macht er schon den Spagat zwischen Nachrichten und Literaturfeatures. Er hat vom Zusammenbruch der Sowjetunion berichtet, war Ende der 90er  Jahre auf dem Balkan unterwegs und ist seit einigen Jahren zurück in Russland, das sich erneut in einer Umbruchsphase befindet. Das Bolschoi-Theater hat Thomas immer wieder besucht und für den WELTREPORTER-ADVENTSKALENDER hier einen Ton gestiftet, der uns in diesen legendären Kosmos mit hinein nimmt.

Im Ausland ist alles so anders…

Au weia, erst können die Russen kein Englisch und dann ist auch alles noch “ganz anders als in Deutschland”. “Verloren” fühlten sich die eingeflogenen Reporter! Das muss ein Schock für die Kollegen vom Spiegel gewesen sein. Einer, der immerhin die erste Seite wert war.

IMG_2332Hoffentlich konnte Kollege Bidder aus Moskau den eingeflogenen Reportern ein bisschen unter die Arme greifen, eventuell gar in der Landessprache das Fremdeln erleichtern.

Um künftige traumatische Erlebnisse in der Fremde zu vermeiden empfehlen wir: Freie Korrespondenten im Lande (wie sie zB über das Weltreporternetzwerk leicht zu finden sind), kennen sich gut aus, sprechen die örtliche Mundart und haben bereits funktionierende Internetanschlüsse.

Gott und Amerikas Klimawaffen

Russland rätselt über chronisches Sauwetter

Wettermäßig ist Russland verwöhnt. Im Sommer strahlt der Himmel monatelang wolkenlos, Weihnachten ist garantiert weiß, die trockenen Winterfröste fühlen sich milder als das scheußliche norditalienische Nieselwetter dieser Jahreszeit. Der vergangene Sommer aber war auch in Kontinentalrussland nasskalt, nach Dauerregen mit 700 Millimetern Niederschlag versank die ostsibirische Amurregion über einen Monat in Hochwasser. In Komsomolsk am Amur ist das Grundwasser so gestiegen, dass es aus den Brunnenschächten schwappt. Jetzt ist Moskau dran, binnen eineinhalb Wochen ergoss sich über der Hauptstadtregion das Vierfache der Regennorm für den ganzen September, dann kippten die Temperaturen Richtung November, seit Tagen gibt es Schneeschauer. Wolkenbrüche haben auch die Olympiastadt Sotschi überschwemmt, schon witzeln die Einwohner, die Taxifahrer sollten sich zu den Winterspielen im Februar Gondeln kaufen.

Vaterländische Meteorologen erklären das Sauwetter mit einem massiven Antizyklon. Der orthodoxe Blogger Dimitri Enteo sieht das anders: Der Herrgott warne mit den Wolkenbrüchen über Sotschi vor dem Entzünden des olympischen Feuers, einem Kult zur Ehren von heidnischen Götzen wie Apoll oder Zeus.

Die Russen, bei denen Glaube und Aberglaube oft fusionieren, erfühlen hinter Naturkatastrophen gern Gottes strafende Hand. Der Geistliche Sergi Karamyschew erklärte die Überschwemmung des südrussischen Städtchens Krymsk im Juli 2012 mit der „Sauferei und Hurerei“ der Badegäste an der nahen Schwarzmeerküste. Und nicht ohne Häme verkündete Filmregisseur Nikita Michalkow anlässlich der Erdbeben und Zunami, die Japan 2011 heimsuchten, Gott bestrafe damit Nippons Hochmut.

Jetzt aber hat der nationalpopulistische Duma-Altstar Wladimir Schirinowski ganz andere Verursacher ausgemacht. Er sagte Radio RSN, die USA hätten klimatische Geheimwaffen gegen Russland eingesetzt, um seine Investitionen im Amurgebiet zu vernichten und die Olympiade in Sotschi platzen zu lassen. Offenbar habe man aus einem Zentrum zur angeblichen Erforschung der Jonosphäre in Alaska das Magnetfeld über Russland unter Beschuss genommen. Laut Schirinowski besitzt Russland ähnliche Waffensysteme, vor dessen Einsatz es bisher abgesehen habe. „Aber wir sind jederzeit in der Lage, klimatisch zurückzuschlagen“, sagte er. „Sobald der Befehl kommt, können wir Erdbeben und Sturmfluten provozieren.“ Die Einwohner der Nato-Staaten sollten sich schon einmal auf einen sibirischen Winter einstellen.

Neulich in Moskau: In der Sauna

„Ist es okay, wenn ich giesse?“ „Ja.“
Ich giesse.
„Was ist das für ein Akzent?“ – „Ich bin Deutscher.“
„Ah, ein deutscher Spion.“ – „Klar. Was sonst.“
95° Celsius.
„Ich bin ein deutscher Spion und Sie ein russischer“, sage ich.
Ironiefrei.
Er denkt.
Er sagt: „Das ist paradox. Ich ein russischer Spion in Russland.“
„In Russland ist nichts paradox.“

© thomas franke, nachmoskau.de