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2015: Offene Wunden – drei Jahre nach dem Massaker von Marikana in Südafrika

Im August 2012 endete ein Bergarbeiterstreik in Südafrika tödlich. Der Polizeieinsatz erinnerte viele Bürger*innen an die Apartheid. Doch das “Massaker von Marikana” hatte kaum Konsequenzen, berichtete Weltreporterin Leonie March drei Jahre später nach einer Recherche vor Ort.

Leonie March für Deutschlandfunk Hintergrund 16.8.2015

Kameras haben alles aufgezeichnet: Es ist der 16. August 2012, kurz vor vier, als die Polizei das Feuer eröffnet. Staub wirbelt auf. Als er sich wieder legt, liegen dutzende Bergleute auf dem Boden. Zuerst scheint es, sie seien alle tot, bis sich ein Verwundeter mühsam aufrappelt. Schock und Ungläubigkeit in den Augen. Keiner hilft ihm. Erst nach einer Stunde lässt die Polizei Notärzte auf das Gelände. 34 Menschen sterben, mehr als doppelt so viele werden teils lebensbedrohlich verletzt.
Heute erinnern nur noch ein paar windschiefe weiße Kreuze an die Ereignisse von damals. Genau dort, wo sich das sogenannte Massaker von Marikana ereignet hat. Vor zwei Felshügeln mitten in der trostlosen Landschaft. In unmittelbarer Nähe der Platinmine des Lonmin-Konzerns und der Blechhütten, in denen die Bergleute wohnen. Mzoxolo Magidiwana kommt fast jeden Tag an den Kreuzen vorbei. Der 26-Jährige humpelt leicht.
„I am dead man.“
Toter Mann, nennen sie ihn hier. Denn es grenzt an ein Wunder, dass der junge Bergmann noch lebt. Er ist derjenige, der sich damals unter seinen toten Kollegen noch regte. Ein Dutzend Kugeln trafen ihn bei der blutigen Niederschlagung des Streiks. Sie machten ihn zeugungs- und bis heute arbeitsunfähig.

„Die meisten hier sind müde und frustriert, so wie ich auch. Denn seit dem Massaker hat sich hier in Marikana kaum etwas verändert. Die Bergbaukonzerne haben zwar versprochen, dass sie hier richtige Häuser bauen wollen und dass sich unsere Lebensbedingungen verbessern sollen. Aber schauen sie sich mal um: Wir leben immer noch im Dreck. Den Arbeitgebern trauen wir ebenso wenig wie unserer Regierung. Sie hat sich noch nicht einmal dafür entschuldigt, was damals hier passiert ist. Solange das nicht geschieht, wird Marikana für uns immer eine offene Wunde bleiben. Das Vertrauen der Arbeiter in die Regierung ist zerbrochen. Um es wiederzugewinnen, müsste sie uns wenigstens entgegenkommen.“

Überlebender des Massakers von Marikana

Mzoxolo Magidiwana hat schwerverletzt überlebt (Foto: Leonie March)

Marikana bleibt für die Bergleute eine offene Wunde
Doch das ist nicht zu erwarten. Es beginne bei der Wortwahl, erklärt Politikwissenschaftler Zakhele Ndlovu.

„Die Regierung lehnt es ab, die Verantwortung zu übernehmen. Statt von einem Massaker spricht sie von einer Tragödie. Es war das erste Mal seit dem Ende der Apartheid, dass so viele Menschen von der Polizei getötet wurden. Es war das erste Mal, dass unsere demokratisch gewählte Regierung maximale Gewalt anwendete. Viele Südafrikaner erinnerten diese Bilder an die Vergangenheit: An das Sharpeville-Massaker oder die blutige Niederschlagung des Schüleraufstands von Soweto 1976.“

Wie es in der jungen Demokratie zu einem solchen Blutbad kommen konnte, sollte eine Untersuchungskommission klären, die Südafrikas Präsident Jacob Zuma eingesetzt hatte. Ursprünglich sollten die Anhörungen nur ein paar Monate dauern. Doch letztendlich tagte das Gremium über zwei Jahre lang. Auch diese Anhörungen erinnerten viele Südafrikaner an die Vergangenheit – an die Wahrheits- und Versöhnungskommission, bei der sich Täter und Opfer der Gräueltaten während der Apartheid gegenüberstanden. Für die Angehörigen sei es ein schmerzhafter, aber sehr wichtiger Prozess gewesen, betont Opferanwältin Nomzamo Zondo.

„Für die Familien war es von Beginn an wichtig, der Polizei vergeben zu können. Sie wollten nicht, dass Wut und Schmerz ihr weiteres Leben bestimmen. Sie wollten mit dem Trauma abschließen können. Zu Beginn der Anhörungen waren sie gebrochene Leute. In der Öffentlichkeit waren ihre Männer, Söhne und Väter wie gewalttätige Wilde dargestellt worden, die die Polizei angegriffen hatten. Die Beamten gaben an, in Notwehr gehandelt zu haben. Doch diese Version wurde im Laufe der Anhörungen wiederlegt. Bereits Stunden vor der Eskalation waren mehrere Leichenwagen angefordert worden. Etliche der Bergleute wurden von Schüssen in den Rücken getötet. Es wurde sogar klar, dass die Polizei Beweise manipuliert hatte. Das war der wohl wichtigste Moment für die Angehörigen. Sie konnten die Würde und den Ruf der Opfer wiederherstellen.
Schmerzhafter Prozess für die Angehörigen
Konkrete Erwartungen der Angehörigen und der Überlebenden wurden jedoch enttäuscht. Der Abschlussbericht der Untersuchungskommission sieht keine Entschädigung vor. Beobachter rechnen mit einer Klagewelle. Zwar wird in dem über 600 Seiten umfassenden Dokument scharfe Kritik geübt: Sowohl am Konfliktmanagement des Lonmin-Konzerns als auch der teils unverhältnismäßigen Gewalt der Polizei und der schlechten Planung des Einsatzes. Doch statt konkreten Konsequenzen empfiehlt das Gremium lediglich weitere Ermittlungen. Sogar die Polizeibeamten, die damals geschossen haben, sind bis heute im Dienst, bemerkt Mzoxolo Magidiwana bitter.
„Bergleute wie ich, die damals an dem Streik teilgenommen haben, wurden von der Kommission monatelang befragt und ins Kreuzverhör genommen. Im Gegensatz zur anderen Seite: Die Polizisten haben nicht einmal alle ausgesagt. Ihre Befehlshaber aus Polizei und Politik mussten nur ein paar Tage erscheinen. Unseren Anwälten blieb nicht genug Zeit für die Befragung. Das war ernüchternd, wenn auch nicht unbedingt überraschend. Denn die Kommission war von vornherein nicht unabhängig. Sie ist von Präsident Jacob Zuma beauftragt worden. Er schützt die Interessen der Bergbauindustrie ebenso wie die seiner Regierung. Es ist eine Farce, dass er jetzt auch über die Empfehlungen der Kommission entscheidet. Ihr Bericht geht zurück in die Hände, die dafür verantwortlich sind, dass viele von uns damals getötet wurden.“
Die fehlenden politischen und personellen Konsequenzen aus dem Blutbad sind tatsächlich ernüchternd. Bis heute gab es weder Rücktritte noch Verurteilungen. Am härtesten ging die Untersuchungskommission mit Südafrikas Polizeichefin Riah Phiyega ins Gericht. Ihr droht eine Amtseignungsprüfung. Bis dahin aber bleibt sie auf ihrem Posten. Der damalige Polizeiminister Nathi Mthethwa ist heute Kulturminister und sitzt damit weiterhin am Kabinettstisch. Im Zentrum der Kritik steht jedoch ein anderer: Südafrikas heutiger Vize-Präsident Cyril Ramaphosa. Ausgerechnet ein ehemaliger Gewerkschaftsführer, der während der Apartheid für die Rechte der Bergleute gekämpft hatte. Zum Zeitpunkt des Streiks war er nicht nur Mitglied des ANC-Parteipräsidiums, sondern saß auch im Aufsichtsrat des Lonmin-Konzerns. Ein Schriftwechsel belegt, dass er seine Kontakte spielen ließ, um für ein schnelles Ende des Streiks zu werben. Für die Untersuchungskommission war dies kein ausreichendes Argument für eine politische Mitverantwortung an dem Blutbad. Ein schaler Beigeschmack bleibe jedoch, betont Politikwissenschaftler Zakhele Ndlovu.
„Nachdem Cyril Ramaphosa öffentlich eine Konspiration mit der Polizei vorgeworfen wurde, wurde er regelrecht belohnt. Nur wenige Monate später wurde er zum stellvertretenden Präsidenten der Regierungspartei ANC gewählt und letztes Jahr dann auch zum Vize-Präsidenten Südafrikas. Für mich ist das mehr als ironisch. Ich hätte mir gewünscht, dass die Verantwortlichen für dieses Desaster zur Rechenschaft gezogen worden wären. Denn momentan stellt es einen gefährlichen Präzedenzfall dar. In Zukunft könnten wieder Menschen getötet werden, ohne dass das Konsequenzen nach sich zieht. Im Untersuchungsbericht ist zwar von weiteren Ermittlungen die Rede, aber wir wissen alle, dass sie im Sande verlaufen werden. Gar nichts wird passieren.“
Keine Konsequenzen für die Verantwortlichen
Präsident Zuma liegt offensichtlich wenig an einer Aufklärung. Er ist ein Machtpolitiker, der schon viele Skandale ausgesessen hat: Korruptionsvorwürfe, die Verschwendung öffentlicher Gelder für den Ausbau seiner Privatresidenz oder die ungehinderte Abreise von Sudans Präsident al-Bashir aus Südafrika Ende Juni, trotz eines Haftbefehls des Internationalen Strafgerichtshofs. Es ist kein Zufall, dass Zuma den Marikana-Untersuchungsbericht inmitten dieser Kontroverse veröffentlicht hat.
„Die Regierung wollte verhindern, dass der Bericht die volle Aufmerksamkeit bekommt. Die Debatte um al-Bashirs Ausreise hat diesen eigentlich sehr wichtigen Moment in der Geschichte unseres Landes überschattet. Kurzfristig ist es also gelungen ihn herunterzuspielen. Langfristig wird er jedoch sicherlich noch eine Rolle spielen. Denn es ist eine sehr ernsthafte Angelegenheit, wenn Menschen, die protestieren, einfach erschossen werden. Es stimmt, dass einige von ihnen gewalttätig waren, aber diesen Tod haben sie deshalb nicht verdient.“
Sechs Tage vor der blutigen Eskalation waren rund dreitausend Arbeiter des Lonmin-Konzerns in Marikana in einen Streik getreten. Viele von ihnen trugen traditionelle Waffen wie Speere, einzelne aber auch Schusswaffen. Die Stimmung war aufgeheizt. Zu lange waren diese Arbeiter mit ihren Forderungen nach höheren Löhnen, besseren Arbeits- und Lebensbedingungen bei der nationalen Bergbaugewerkschaft, NUM, auf taube Ohren gestoßen. Deshalb hatten sie sich der neuen radikaleren Arbeitnehmervertretung AMCU angeschlossen. 12.500 Rand, umgerechnet knapp 900 Euro Mindestlohn lautete ihre Kernforderung. Mehr als das Doppelte des bisherigen Lohnniveaus.
Doch Arbeitgeber Lonmin erkannte AMCU nicht als Tarifpartner an und verweigerte jedes Gespräch. Von Tag zu Tag spitzte sich die Lage weiter zu – zwischen Mitgliedern der beiden rivalisierenden Gewerkschaften, dem Sicherheitspersonal der Platinmine, der Polizei und den streikenden Bergleuten. Zehn Menschen kamen in den Tagen vor dem sogenannten Massaker ums Leben, darunter auch Polizisten. Mehreren Bergleuten drohen nun Anklagen wegen Mordes. Südafrikas Regierungspartei ANC sei aber nicht nur wegen des Todes der Beamten unter Druck gewesen, erklärt Zakhele Ndlovu.
„Ein Grund, warum der ANC vermeiden möchte, dass Marikana zu viel öffentliche Aufmerksamkeit bekommt, ist seine Nähe zur NUM. Sie ist ein wichtiges Mitglied des Gewerkschaftsbunds COSATU, einem Bündnispartner des ANC. Der Staat war in diesem Streik also mitnichten neutral. Die Regierungspartei konnte es nicht zulassen, dass die neue Gewerkschaft AMCU ihrem Bündnispartner Mitglieder abwirbt und Arbeiter der NUM, die sich nicht am Streik beteiligt haben, sogar umgebracht werden. So wirkt es jedenfalls.“
Rivalisierende Gewerkschaften
In Südafrikas Platingürtel sind die Spannungen zwischen den beiden rivalisierenden Gewerkschaften bis heute deutlich zu spüren. Die NUM musste einen empfindlichen Mitgliederschwund hinnehmen und hat in den meisten Minen ihre Mehrheit verloren. AMCU sei nun die tonangebende Gewerkschaft, erzählt Makhanya Siphamandla stolz. Der junge Bergmann ist AMCU-Vertrauensmann in einer Platinmine des Branchenriesen „Anglo Platinum“ in Rustenburg.
„Unsere Väter, die Generation 55 plus, haben noch eine historische Verbindung zur NUM. Das war die Gewerkschaft, die mit ihnen gegen die Apartheid gekämpft hat. Diese Leute wollen nicht wahrhaben, dass ihre Gewerkschaft sie längst im Stich gelassen hat. Die jüngere Generation sieht dagegen klarer und kämpft heute für AMCU. Vielen steigt schon die Wut hoch, wenn sie jemanden in einem NUM T-Shirt sehen.“
Der Gewerkschafter selbst trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Gedenkt der Toten von Marikana“. Das blutige Ende des Arbeitskampfes von 2012 hat ihn tief geprägt und radikalisiert. So wie viele seiner Kollegen. Knapp anderthalb Jahre nach diesen traumatischen Ereignissen führte seine Gewerkschaft AMCU die Platinkumpel in einen neuen Arbeitskampf. Es sollte der Längste der Geschichte werden. Die Verhandlungen mit den Konzernen dauerten ganze fünf Monate lang. Der unbezahlte Ausstand habe die Arbeiter an ihre Grenzen gebracht, erinnert sich Makhanya Siphamandla. Familien mussten hungern, denn das Gehalt eines südafrikanischen Bergmanns ernährt im Durchschnitt zehn Verwandte.
Auch die Konzerne waren am Limit: Der monatelange Produktionsstopp kostete sie über 1,8 Milliarden Euro. Ein harter Schlag für die ohnehin kriselnde Platinindustrie: Der Preis für das Edelmetall sinkt seit Jahren, die südafrikanische Währung schwächelt, regelmäßige Stromausfälle erschweren den Alltag, die Löhne steigen schneller als die Produktivität. Werksschließungen und Entlassungen sind die Folge.
Blick auf eine Platinmine

Platinbergwerk in Südafrika (Foto: Leonie March)

Kriselnde Platinindustrie
Wie damals in Marikana forderte AMCU bei dem Marathonstreik einen Mindestlohn von 12.500 Rand. Mittlerweile eine fast magische Zahl, die für viel mehr steht als nur einen Gehaltsabschluss. Am Ende lag der Kompromiss etwas darunter. Aber der Kampf sei noch nicht zu Ende, betont der Gewerkschafter.
„Die Meisten denken so wie ich. Wir haben genug Energie, um bei Ablauf des Tarifvertrages im kommenden Jahr wieder für einen Mindestlohn von 12.500 Rand zu streiken. Wir können dieses Ziel erreichen. Und das nicht nur im Bergbau. Wir fordern für alle ein Gehalt, das zum Leben reicht, nicht nur zum Überleben. Die Leute müssen endlich aufwachen und begreifen, dass wir in Südafrika tiefgreifende Veränderungen brauchen. Für die ältere Generation war diese Regierung vielleicht in Ordnung, aber die junge braucht einen Wechsel.“
Noch sitzt der ANC zwar mit einer komfortablen Mehrheit fest im Sattel, aber die politische Landschaft ändert sich langsam. Bei der nächsten Wahl werden junge Wähler, die kurz vor oder nach der demokratischen Wende geboren wurden, in der Mehrheit sein. Sie verbindet keine historische Loyalität mit der ehemaligen Befreiungsbewegung. Die junge linke Oppositionspartei „Economic Freedom Fighters“ hat schon bei den letzten Wahlen auch im Platingürtel deutlich an Unterstützung gewonnen. Außerdem formiert sich dort eine neue Arbeiterbewegung unter der Führung der mächtigen Metallarbeitergewerkschaft NUMSA. Sie hatte scharfe Kritik an der Regierungsallianz aus ANC, kommunistischer Partei und dem Gewerkschaftsbund COSATU geübt. Unter anderem warf sie ihr Korruption, Vetternwirtschaft und Schönfärberei des Massakers von Marikana vor. Daraufhin wurde sie von COSATU ausgeschlossen. Nach der Einschätzung von Politikwissenschaftler Zakhele Ndlovu könnte das der Anfang des Endes der Regierungsallianz sein.
„Die Gewerkschaften werden sich mit der Zeit vom ANC distanzieren, weil die Regierungspartei aus ihrer Sicht nicht mehr die Interessen der Arbeiterschaft vertritt. Durch das Bündnis sind die Gewerkschaften unterwandert worden. Sie waren für viele nur ein Mittel, um eine politische Karriere zu machen. Der Kampf für die Rechte der Arbeiter machte sich einfach gut im Lebenslauf. Von den Top 6 der ANC-Führung hat schließlich jeder eine Gewerkschaftsvergangenheit. Das Bündnis zwischen dem ANC und COSATU wird also zerbrechen. Die ersten Risse zeigen sich ja bereits. Die regierungskritischen Stimmen werden lauter und weitere Gewerkschaften werden sich aus dieser politischen Allianz lösen.“
So etwas wie Aufbruchsstimmung ist in Marikana jedoch nicht zu spüren. Nach Schichtende überqueren Lonmin-Arbeiter in ihren dreckigen Overalls das karge Feld zwischen Werkgelände und ihren kleinen Blechhütten. Sie wirken müde und abgekämpft. Ihr verwundeter Kollege Mzoxolo Magidiwana schaut ihnen von seinem Stuhl aus zu. Irgendwann muss auch er wieder in den Schacht einfahren. Das wünscht er sich sogar. Die körperlichen Narben seien fast verheilt, meint er nach einer Weile. Aber gesellschaftlich werde Marikana noch lange eine offene Wunde bleiben.
„Wir wünschen uns, dass die Wahrheit darüber noch ans Licht kommt, was damals geschehen ist. Das ist nicht nur für uns Bergleute wichtig, sondern für unser ganzes Land. Die Leute, die wir selbst gewählt haben, sind für das Massaker ebenso verantwortlich wie für die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. Statt unserer Interessen verfolgen sie ihre eigenen. Darunter leiden nicht nur wir in Marikana, sondern ganz Südafrika. Unsere Kinder leben heute in den gleichen ärmlichen Verhältnissen wie wir. Sie laufen Gefahr ebenso wenig Bildung zu bekommen, sodass auch ihnen nichts anderes übrig bleiben wird, als in den Bergwerken zu schuften. So wie Generationen vor uns. Bei diesem Kampf geht es also um die Zukunft und die Würde unserer Kinder. Dafür lohnt es sich weiterzukämpfen.“
 

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Covid-19 – Wie geht’s dem Rest der Welt?

Maßnahmen lockern? Anders forschen? Alte Menschen isolieren? – Debatten, die in Deutschland geführt werden, beschäftigen auch andere Länder. Aber es gibt dort auch völlig andere Lösungen, Ansätze und Konflikte. Die Weltreporter berichten in diesen Wochen von allen Kontinenten fast ausschließlich über Situationen, Menschen und Ereignisse, die irgendwie mit Covid-19 zu tun haben.

Falls Sie eine C-Verschnaufpause brauchen: Manche Themen – wie Cornelia Funkes neuer Roman, über den Kerstin Zilm im Deutschlandfunk Kultur spricht  – haben weniger inhaltlich als vielmehr anlässlich mit Corona zu tun: Die Bestsellerautorin Funke lässt in den kommenden Wochen live auf Instagram und YouTube aus dem vierten Buch ihrer Tintenwelt-Serie lesen. Das Buch ist noch gar nicht veröffentlicht. Funke erzählte Kerstin Zilm, warum sie die ersten 14 Kapitel von ‘Die Farbe der Rache’ trotzdem schon aus ihrer Schublade geholt hat.

Ein Geschenk für die Fans – Kerstin Zilm spricht mit Cornelia Funke

In Taiwan wurden die ersten Coronavirus-Infektionen noch vor jenen in Deutschland gemeldet, doch bis heute gibt es in dem asiatischen Land weniger als 450 Infektionen und sechs Tote – Wie gelingt eine so beeindruckende Bilanz? Nicht ohne Einschränkungen, aber mit raschen, wirksamen Maßnahmen hat der Inselstaat vor der Küste Chinas geschafft, die Ausbreitung des Virus unter den 23 Millionen Einwohnern stark einzudämmen. Einen spannenden Bericht dazu hat Klaus Bardenhagen für die Umschau des MDR gefilmt.

Klaus Bardenhagen berichtet aus Taipei Foto: Screenshot mdr

Klaus Bardenhagen berichtet aus Taipei    Foto: Screenshot mdr

Dort erklärt er – diesmal auch vor der Kamera – warum Taiwan in diesen Tagen so eine Art Insel der Seligen ist. Über die strenge Heimquarantäne und die besondere Rolle der Taxifahrer in Taiwan hatte Klaus Bardenhagen zuvor bereits mit dem ARD Studio Tokio für das Mittagsmagazin einen Beitrag gedreht.

Knapp 10.000 Kilometer weiter südwestlich arbeitet Anke Richter, die sich in den vergangenen drei Wochen kaum wie Kollege Bardenhagen auf einem vor Menschen wimmelnden Markt getummelt haben dürfte. In Christchurch  wurde der Lockdown mit deutlich härteren Sanktionen durchgesetzt als in vielen deutschen Städten. Und Neuseeland  liegt jetzt im weltweiten Kampf gegen das Coronavirus mit einem Reproduktionsfaktor von 0,5 vorne. Als sonderlich harsch wurden die Maßnahmen dort jedoch von vielen nicht empfunden. “Nett und schlau” nennt Anke in ihrer Story für Zeit Online die Strategie, mit der der Pazifikstaat bisher offenbar gut fährt. Regierungschefin Jacinda Ardern sitzt dort im Sweatshirt zu Hause und beantwortet im Livechat auf Facebook Fragen ihrer Landsleute – unprätentiös, herzlich, sachkundig.

Jacinda Ardern plaudert mit ihren Landsleuten ©Screenshot Facebook

Neuseelands PM Jacinda Ardern plaudert mit ihren Landsleuten © Screenshot Facebook

Während anderswo Mediziner fehlen, schickt Kuba Doktoren in die Welt: 596 Ärztinnen und Ärzte habe man in insgesamt 14 Länder entsandt, um sie zu unterstützen, hieß es aus dem kubanischen Gesundheitsministerium. Wie es dazu kam, dass sich der sozialistische Inselstaat in der medizinischen Kooperation derzeit so profiliert, hat Wolf-Dieter Vogel analysiert.

Singapur hatte die Krise fast im Griff. Doch jetzt schockiert ein massiver Ausbruch in den Wohnheimen für ausländische Arbeiter den reichen Stadtstaat, schreibt Mathias Peer im Handelsblatt. Zwar gehört Singapur zu den reichsten Ländern der Welt, doch bei ihren Gastarbeitern sparen viele Unternehmen wo es geht – das rächt sich nun offenbar.

Ein Straßenhändler verkauft Desinfektionsmittel @ Bettina Rühl

Ein Straßenhändler in Kenia verkauft Desinfektionsmittel © Bettina Rühl

Den afrikanischen Kontinent hat das Coronavirus mit Verzögerung erreicht. Inzwischen steigen die Infektionszahlen  deutlich an. In Kenia, Uganda, Simbabwe und Südafrika greifen Polizei und Militär hart durch, um Ausgangsbeschränkungen durchzusetzen. Im Deutschlandfunk berichten Bettina Rühl und Leonie March über die Situation in Slums der kenianischen Hauptstadt und über das zum Teil drastische Krisenmanagement  Südafrikas.

Julia Macher erzählt in ihrer Hörfunk-Reportage auf Deutschlandfunk Kultur wie Gesellschaft, Wirtschaft und Politik in Barcelona mit der Corona-Krise umgehen. Das war für die Weltreporterin in Spanien auch eine erzählerische Herausforderung: Wie bleibt man trotz Ausgangssperre und „social distancing“ nah dran an den Protagonisten?

 

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Adventston 4. 12. –  ein schnurrender Gepard in … ?

March_Interview mit Gepard KopieHier schnurrt keine Hauskatze, sondern die Gepardin Thandi. Gemütlich auf der Seite liegend ließ sie sich von Leonie March streicheln. Leonie: “Ich hatte dabei eher ein flaues Gefühl im Magen. Die zahme Raubkatze ist die Attraktion des „Tenikwa Wildlife Awareness Centre“ an Südafrikas Garden Route. Durch die Tuchfühlung mit den Geparden sollen Touristen für den Schutz der bedrohten Raubtiere sensibilisiert werden.” Über das Centre hat Leonie u. a. in einer Reportage für Deutschlandradio Kultur berichtet.

Leonie lebt und arbeitet seit 2009 in Durban, Südafrika. Reportagen, Features und Analysen aus den Ländern des Südlichen Afrika sind ihre Spezialität. Dabei stellt sie bewusst die Klischees und Vorurteile gegenüber dem „schwarzen Kontinent“ auf die Probe. Als Radio-Korrespondentin berichtet sie aus Kultur, Politik und Gesellschaft, unter anderem für Deutschlandradio Kultur, Deutschlandfunk, SRF und Monocle24. Den Gepard können Sie hier hören.

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